Ärzte Zeitung, 11.11.2004
 

Dr. med. h.c. Albert Einstein

Medizinische Fakultät der Rostocker Uni verlieh Einstein 1919 die Ehrendoktorwürde

ROSTOCK (dpa). Der geniale Physiker Albert Einstein hat nur von einer einzigen deutschen Hochschule eine Ehrendoktorwürde erhalten - und das ausgerechnet in Medizin. 85 Jahre später gedenkt nun die Universität Rostock dieser Verleihung. Gestern ist an dem Haus des Philosophen Moritz Schlick, bei dem Einstein öfters gewohnt hatte, eine Gedenktafel enthüllt worden.

"Zum 500jährigen Bestehen der Universität im Jahr 1919 konnten die einzelnen Fakultäten eine gewisse Anzahl zu ehrender Persönlichkeiten nennen", erklärt Universitätssprecher Karl-Heinz Kutz. "Einstein tauchte darauf jedoch zunächst nicht auf. Als das Moritz Schlick erfuhr, setzte er sich für ihn ein, und so wurde er auf die einzige Liste gesetzt, auf der noch freie Plätze waren, die der Medizin."

Auf diese Weise wurde der spätere Physik-Nobelpreisträger am 12. November 1919 zum "Dr. med. h.c.". In der Urkunde heißt es pathetisch: "Am Tage der Fünfhundertjahrfeier der Universität Rostock ernennt die Medizinische Fakultät ... Herrn Professor Albert Einstein in Anerkennung der gewaltigen Arbeit seines Geistes, durch die er die Begriffe von Raum und Zeit, von Schwerkraft und Materie von Grund aus erneuert hat, ehrenhalber zum Doktor der Medizin." Neben Einstein wurden 31 weitere Honoratioren gewürdigt, darunter sein Physiker-Kollege Max Planck. Einstein hat zudem mehrere Ehrendoktorwürden ausländischer Universitäten erhalten.

Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten hätte Einstein, der 1933 in die USA ausgewandert war und 1934 ausgebürgert wurde, seine Ehrendoktorwürde eigentlich verlieren müssen, denn allen Ausgebürgerten wurden solche Ehrentitel aberkannt.

"Im Februar 1938 erreichte die Universitätsleitung eine entsprechende Liste des NS-Volksbildungsministeriums, auf der auch Einstein stand", erläutert Kutz. "Aber entweder fand man ihn nicht, weil man ihn in der falschen Fakultät suchte, oder es gab jemanden in der sonst als sehr linientreu bekannten Universität, der genug Menschenverstand und Mut hatte, die Liste zu ignorieren."

Topics
Schlagworte
Panorama (31017)
Personen
Albert Einstein (48)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »