Ärzte Zeitung, 12.01.2005

Bundeswehr ersetzt Klinik auf Sumatra

Einsatz in Banda Aceh ist auf mehrere Monate ausgelegt / Enge Zusammenarbeit mit australischen Streitkräften

NEU-ISENBURG (ger). Für die Opfer der Tsunami-Katastrophe hat die Bundeswehr sofort alle verfügbaren Kräfte mobilisiert. Heute oder morgen wird das Lazarettschiff "Berlin" in der Stadt Banda Aceh auf Sumatra eintreffen. An Bord sind 54 Mann medizinisches Personal, darunter zwölf Ärzte.

Mit 230 Mann auf Kurs in Richtung Sumatra: Das Bundeswehr-Lazarettschiff "Berlin".
Zwei Operationssäle können auf der "Berlin" gleichzeitig betrieben werden. 45 Betten stehen an Bord des Lazarettschiffs bereit. Zusätzlich können 100 Leichtverletzte aufgenommen werden.
Fotos (3): Bundeswehr

Die Soldaten, Ärzte und Sanitäter an Bord verstärken die Einsatzkräfte vor Ort, die dort seit einigen Tagen auf dem Gelände eines schwer beschädigten zivilen Krankenhauses ein mobiles Lazarett in Zelten aufbauen, das die Klinik vorläufig ersetzen soll. Im Einsatz seien bisher etwa 25 Ärzte, sagte Flottillenarzt Dr. Dirk Stölten aus dem Pressezentrum der Bundeswehr auf Anfrage.

Die Bundeswehr ist nicht aufs Geratewohl in die Region gefahren, sondern arbeitet laut Stölten eng mit den australischen Streitkräften zusammen, die dort die Koordination übernommen hätten. "Die Zusammenarbeit läuft sehr gut", sagt Stölten.

Die Hauptaufgabe der deutschen Kräfte in Aceh sei es nicht nur, die Opfer direkt nach der Katastrophe zu versorgen. "Wir wollen auch verlorengegangene Kapazitäten ersetzen, bis sie wieder aufgebaut sind." Dazu gehören auch Einsätze im Hinterland von Banda Aceh: Mobile Teams sollen dort die Versorgung unterstützen.

Den Transport der Ärzte und Sanitäter, die dort auch vorgeschobene Krankenstationen aufbauen sollen, können bei Bedarf die Hubschrauber der "Berlin" übernehmen. Der Einsatz des Lazarettschiffs war zuletzt teilweise als überflüssig kritisiert worden, weil genug Helfer vor Ort seien.

Oberstleutnant Andreas Heine vom Einsatzführungskommando in Potsdam weist diese Kritik allerdings entschieden zurück: "Aus Sicht der Bundeswehr ist der Einsatz zwingend erforderlich." Die Transportkapazitäten würden dringend gebraucht, aber auch die beiden Operationssäle an Bord könnten jederzeit benutzt werden. Das Schiff war zuvor am Horn von Afrika im Einsatz.

Der Einsatz in Banda Aceh ist auf Monate ausgelegt. Aus diesem Grund habe man auch Ärzte nicht unbedingt bundeswehr-typischer Fachrichtungen wie Gynäkologen mit nach Sumatra genommen, so Flottillenarzt Stölten. Eingesetzt werden Bundeswehrangehörige im aktiven Dienst, aber auch Reservisten.

Die Bundeswehr ist mit dem Einsatz in Indonesien jetzt am Rand ihrer medizinischen Kapazitäten, auch in den Bundeswehrkrankenhäusern. Auch auf dem Balkan und in Afghanistan sind ja mobile Lazarette im Einsatz. Die Prioritäten sind dabei eindeutig verteilt. Stölten: "Erste Priorität haben die Einsatzaufträge. Wenn es in Deutschland tatsächlich eng werden sollte, können wir immer noch Patienten an zivile Krankenhäuser überweisen."

STICHWORT

EGV "Berlin"

Das Lazarettschiff EGV "Berlin" verfügt über umfangreiche medizinische und logistische Möglichkeiten. Die medizinische Versorgungseinheit hat 45 Betten, davon vier Intensivbetten. Zwei Operationssäle können zeitgleich betrieben werden. Zusätzlich lassen sich bis zu 100 Leichtverletzte an Bord versorgen. Zwei Bordhubschrauber vom Typ Sea King erlauben den Lufttransport von Personen, Verletzten und Material. An Bord sind 230 Mann, das medizinische Personal umfaßt 54 Mann, darunter zwölf Ärzte.

Die "Berlin" soll die mobile Klinik in Banda Aceh unterstützen, die über 22 Pflegebetten und drei Intensivbetten verfügt und gerade aufgebaut wird. Zu den diagnostischen Möglichkeiten gehören Ultraschall, Röntgen und Labor. Die Rettungszentren ermöglichen eine medizinische Versorgung der Bevölkerung nach einem Standard, der dem in einem Kreiskrankenhaus entspricht. (ger)

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »