Ärzte Zeitung, 13.01.2005

Die Aussage-Kraft der DNA-Tests ist sehr hoch

Die Wahrscheinlichkeit, daß zwei Personen die gleichen Merkmale haben, beträgt nur eins zu einer Milliarde

NEU-ISENBURG (nsi). Grundlage der DNA-Analyse für die Identifikation von Personen ist die Vielfalt an Varianten, die die Erbsubstanz vor allem in nicht-kodierenden Abschnitten hat. Am häufigsten verwendet werden heute die so genannten short tandem repeats, STRs genannt.

Zur DNA-Analyse werden bei den Toten meist Proben aus der Oberschenkel-Muskulatur entnommen. Foto: dpa

STRs sind kurze Folgen von zwei bis sechs Basenpaaren, die sich unterschiedlich oft wiederholen. Manche lesen sich wie der Ruf eines Vogels, zum Beispiel AGAT, AGAT, AGAT, AGAT (Folgen von Adenin, Guanin, Thymin).

Weil die STRs relativ kurz sind, finden sich oft auch in Erbsubstanz mit nur hundert Basen noch genügend solcher Schnipsel für die Analyse. Sie werden gezielt vermehrt (PCR), der Länge nach getrennt und nachgewiesen.

"Bei den Flutopfern untersuchen wir die DNA auf 16 STR-Systeme hin, nicht wie in der kriminalistischen Routine auf acht verschiedene Systeme", erläutert Professor Walther Parson vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Innsbruck, einem Zentrum für die DNA-Analyse der europäischen Flutopfer in Sri Lanka.

Liegt ein Ergebnis bei guter bis mittlerer Qualität der Proben im Allgemeinen innerhalb nach wenigen Tagen vor, haben die Innsbrucker Rechtsmediziner einen Rekord geschafft: 62 Proben wurden in 20 Stunden analysiert, erläutert Parson, trotz schlechter Probenqualität.

«Die Suche nach möglicherweise tausenden von Touristen und anderen Ausländern in den Katastrophengebieten könnte zum Albtraum werden. Es ist, als wollte man die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen.»

    

Professor Walther Parson
Leiter des gerichtsmedizinischen Institutes der Universität Innsbruck, der in Sri Lanka Tote identifiziert.

 
 

Verglichen werden biologische Merkmale wie Fingerabdrücke oder die Ergebnisse der DNA-Analyse dann mit biologischem Material von persönlichen Gegenständen der vermißten Person, Kleidungsstücken und Zahnbürsten zum Beispiel.

Lassen sich davon nicht genügend Zellen des Vermißten für die DNA-Analyse isolieren, werden Verwandte um Abstriche aus der Wangenschleimhaut gebeten. In Deutschland koordiniert das BKA gemeinsam mit den Landeskriminalämtern und den Instituten für Rechtsmedizin die Probenentnahmen von Verwandten.

Die Aussagekraft der DNA-Tests ist sehr hoch: Die Wahrscheinlichkeit, daß eine zweite Person die gleiche Kombination von Merkmalen hat wie die gefundene, beträgt im Allgemeinen eins zu einer Milliarde, oft auch nur eins zu zehn Milliarden.

Allerdings sind DNA-Tests verglichen mit anderen Identifizierungsmöglichkeiten eines Toten wie sein Zahnstatus teuer. "Wenn eine Person zum Beispiel über den Zahnstatus eindeutig identifiziert worden ist, wird man keine DNA-Analyse mehr machen, für die Verwandten gibt es dann auch keinen Grund mehr", erläuterte Parson im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Lesen Sie dazu auch:
DNA-Analyse liefert letzte Gewißheit

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