Ärzte Zeitung, 22.03.2005

Es wird wieder viel geschrieben: statt Briefe eben SMS

Sprachwissenschaftler sehen elektronische Kurznachrichten "eher positiv"/ Fähigkeit, Texte zu verstehen, nimmt ab

Selbst Sprachwissenschaftler können der per Handy verschickten elektronischen Kurznachricht (SMS) etwas abgewinnen. Das "Simsen" sei "eher positiv" zu sehen, sagte der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Professor Ludwig Eichinger, bei der IDS-Jahrestagung in Mannheim.

Früher sei immer die Befürchtung geäußert worden, daß weniger geschrieben werde. "In Wirklichkeit schreiben durch den Computer wesentlich mehr Menschen. Wer nie einen Brief schrieb, schreibt heute eine Mail oder eine SMS."

Daß die SMS-Texte meist kurz sind, spiele dabei keine Rolle. Dies passe einfach zu der Kommunikationssituation. Von einem Verfall der Sprache könne man deshalb nicht sprechen. Wer allerdings nur SMS verfasse, werde vermutlich auch nie einen längeren Text lesen, sagte Eichinger. "Dagegen sollte die Schule etwas machen." Bei der Jahrestagung diskutierten mehr als 450 Fachleute aus etwa 25 Ländern vier Tage lang über das Verstehen von Texten.

Nach Darstellung des IDS-Linguisten Hardarik Blühdorn nimmt die Fähigkeit der Schüler ab, Texte zu verstehen, die Texte selbst dagegen werden immer komplizierter. "Da öffnet sich eine Schere", sagte Blühdorn. "Wir leben in einer Welt, die immer komplexer wird, und wir haben Texte, die das spiegeln." Schüler aber gingen weniger mit Texten um, weil sie viele andere Medien wie das Fernsehen nutzen könnten. (dpa)

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