Ärzte Zeitung, 06.07.2005

Den Menschen in Darfur droht eine Hungersnot

Hilfe für Afrika ist Thema auf dem G8-Gipfel / Aufruf britischer Ärzte / Neuer Report der WHO zur Region Darfur

NEU-ISENBURG (ug). Die Hilfe für Afrika ist eines der Themen beim G8-Gipfel, der heute in Gleneagles in Schottland beginnt. Diskutiert wird etwa der Vorschlag des britischen Premierministers Tony Blair, die Hilfen bis 2015 zu verdreifachen.

Jeder dritte Mensch weltweit habe keinen Zugang zur nötigen medizinischen Hilfe gegen Krankheiten wie HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria, heißt es in einem Aufruf der British Medical Association (BMA) an die G8-Staatschefs.

In den ärmeren Ländern Asiens und Afrikas gelte das sogar für jeden zweiten. Millionen von Menschen stürben an Krankheiten, gegen die es eigentlich Hilfe gibt. Die britischen Ärzte rufen die Staatschefs auf, mehr in die medizinische Hilfe in den Entwicklungsländern zu investieren.

Eine der Hauptkrisenregionen in Afrika ist nach wie vor Darfur im Sudan. Seit zwei Jahren ist die Bevölkerung hier Gewalt und Terror ausgesetzt. Etwa 1,8 Millionen Menschen sind, von arabischen Milizen drangsaliert, aus ihren zerstörten Dörfern geflohen. Sie leben immer noch in Flüchtlingslagern im Sudan und im Tschad.

Die Gesamtsterblichkeit sei in diesem Jahr verglichen mit 2004 deutlich zurückgegangen, so die WHO in ihrem "Second Mortality Survey" für die Region Darfur, von dem gerade vorläufige Ergebnisse veröffentlicht worden sind: Im Nord-Darfur etwa lag die Sterblichkeitsrate pro 100 000 Menschen und Tag im letzten Jahr bei 1,5, in diesem bei 0,8. Es habe sich also schon einiges getan, so die WHO. Die gesundheitliche Situation in der gesamten Region sei aber "extrem fragil".

Die Menschen sind stark unterernährt. Kurz vor der Regenzeit sind jetzt die Nahrungsmittelreserven erschöpft, eine Hungersnot droht. Im Norden sterben die meisten vor allem an akuten Atemwegsinfektionen und an Folgen von Verletzungen, berichtet die WHO.

In West-Darfur dagegen sind Durchfall-Erkrankungen Ursache für etwa die Hälfte der Todesfälle. Außerdem haben sich seit Januar knapp 200 Patienten mit Meningokokken-Meningitis infiziert.

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