Ärzte Zeitung, 04.08.2005

Aufbauhilfe für afghanische Ärzte kommt auch deutschen Kollegen zugute

Ausländische Ärzte halten sich zur Fortbildung bei der Bundeswehr in Koblenz auf

Von Tim Kullmann

Wenn Nick Mohammad Wahidi heute zur Arbeit geht, muß er keine Angst mehr vor Minen oder bewaffneten Freischärlern haben. Der 35jährige Arzt aus Afghanistan arbeitet in der Radiologie des Bundeswehrzentralkrankenhauses (BWZK) in Koblenz, um sich weiterzubilden.

Der Radiologe Nick Mohammad Wahidi (links) begutachtet gemeinsam mit Bundeswehr-Arzt Dr. Carlos Juritza einen Computertomographen. Foto: dpa

Seit Anfang der 90er Jahre schicken ausländische Streitkräfte Ärzte auf Zeit nach Deutschland. Sie kommen aus Usbekistan, Albanien, Bangladesch, Thailand, Indonesien oder der Mongolei. Mit etwa 500 Betten ist das Bundeswehrzentralkrankenhaus das größte Hospital des deutschen Militärs.

Aufbauhilfe für Länder, die in der Entwicklung sind

Etwa 430 Angehörige ausländischer Streitkräfte, darunter die Ärzte, halten sich derzeit im Rahmen des "Austauschprogramms Militärische Ausbildungshilfe" in Deutschland auf. Das Programm soll die Demokratisierung in bestimmten Ländern fördern, erklärt Chefarzt Christoph Veit (57).

"Wir leisten Aufbauhilfe für Streitkräfte, deren Länder noch in der Entwicklung sind." Unterkunft und Verpflegung stellt die Bundeswehr. Dazu gibt es ein monatliches Taschengeld von etwa 330 Euro. Wer kein Deutsch kann, bekommt es in neun Monaten im Bundessprachenamt in Naumburg beigebracht.

Auch Nick Mohammad Wahidi lernte dort Deutsch. "Die deutsche Sprache ist sehr schwer, aber ich versuche, immer mehr zu lernen und viel zu sprechen", sagt der 35jährige fast akzentfrei. Aus der Mongolei kommt seine 33 Jahre alte Kollegin Ganchimeg Lkhagvasuren (33). Die Ärztin mit schulterlangen schwarzen Haaren hat ihr Praktikum in Deutschland schon fast beendet und zieht ein positives Fazit: "Früher konnte ich nicht mit einem Ultraschallgerät arbeiten. Jetzt kann ich selbstständig damit umgehen."

Der Aufenthalt dauert nach dem Sprachkurs in der Regel zwölf Monate. Die ausländischen Ärzte fragen ihren deutschen Kollegen regelrecht Löcher in den Bauch. Hans Jürgen Noblé, der mit Wahidi in der Radiologie arbeitet, sagt: "Es ist sehr viel Wissensbedarf da." Chefarzt Veit erklärt: "Außerdem lernen wir internationale Zusammenarbeit." Das könnte sich bereits im nächsten Auslandseinsatz auszahlen. Vielleicht sehen sich die Ärzte dann als Kollegen wieder.

Zwischen den Ärzten sind Freundschaften entstanden

Mittlerweile sind auch erste Freundschaften entstanden. "Ein deutscher Kollege hat mich zu einem Rundflug in seinem Flugzeug eingeladen", erzählt Nick Mohammad Wahidi immer noch sichtlich begeistert von dem Blick auf die Stadt Koblenz. Nur eine Sache macht Ganchimeg Lkhagvasuren und Nick Mohammad Wahidi etwas traurig.

Kontakt zur Familie in der Heimat gibt es nur per Telefon. "Ich vermisse meine Kinder und freue mich, sie wiederzusehen", sagt die Ärztin. Ihr afghanischer Kollege fügt hinzu, der Aufenthalt in Deutschland sei sehr wichtig für ihn: "Ich muß das machen, um zu Hause etwas besser machen zu können."

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