Ärzte Zeitung, 29.08.2005

Hochwasser-Rekord in Bayern

Regierung spricht von "Dreihundertjahr-Flut" / Die harten Fakten des HQ100

MÜNCHEN (dpa). Das jüngste Hochwasser bricht neue Rekorde. Nicht nur eine Jahrhundertflut, sondern gar eine Dreihundertjahr-Flut sei das stellenweise gewesen, meldet das bayerische Umweltministerium und stimmt mit der Einschätzung anderer Experten überein.

Damit ist der Freistaat binnen sechs Jahren zum dritten Mal von einer Jahrhundertflut heimgesucht worden. Bundesweit gab es immerhin zwei Jahrhundertfluten, nämlich 2002 mit Schwerpunkt in Sachsen und 1997 beim Oderhochwasser.

Umweltschützer sehen die Häufung derartiger Rekordereignisse als Beweis für die verheerenden Folgen des Klimawandels. "Wenn uns sogenannte Jahrhundertfluten fast im Jahresrhythmus treffen, muß die Politik handeln", verlangte in diesen Tagen der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jörg Dürr-Pucher. "Katastrophenhochwässer drohen zur Regel zu werden", sagt auch der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern, Hubert Weiger. Der Begriff verliere damit an Geltung.

Andere gehen davon aus, daß es sich eher um eine die Statistik durchbrechende, zufällige Häufung handelt. Da es sich um einen Mittelwert handele, könne ein Jahrhunderthochwasser jedoch auch mehrmals in hundert Jahren auftreten - oder jahrhundertelang ausbleiben. Manche wiederum glauben, das Wort Jahrhundertflut werde auf Grund eines menschlichen Hangs zum Superlativ einfach nur inflationär benutzt.

Der Begriff Jahrhunderthochwasser - im Fachjargon HQ100 - beruht jedoch auf harten Fakten. Er wird errechnet nach Aufzeichnungen der Wasserstände und Durchlaufmengen von Flüssen aus den vergangenen 40 bis 100 Jahren. HQ100 bedeutet, daß die jeweilige Wassermenge im statistischen Mittel einmal alle 100 Jahre erreicht oder überschritten wird.

Der Buchstabe Q wird laut Umweltministerium in der Physik verwendet, um einen Volumenstrom - in diesem Fall Kubikmeter pro Sekunde - darzustellen. Das H steht für Hochwasser. "Der HQ 100 ist ein ganz genau definierter Begriff", erläutert Ministeriumssprecher Roland Eichhorn. Früher sei etwa bei Dämmen nach dem Wert HQ50 - also 50jährige Hochwasserwahrscheinlichkeit - gebaut worden. Heute orientierten sich Architekten an dem HQ100.

Beim sogenannten Pfingsthochwasser von 1999 entstanden an Iller, Lech, Ammer und Isar tatsächlich Wellen, wie sie laut Experten statistisch nur alle hundert Jahre vorkommen. Bei dem jüngsten Hochwasser wurden die Pegelstände wie auch die Durchflussmengen von 1999 vor allem an Iller und Isar vielerorts noch deutlich übertroffen.

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