Ärzte Zeitung, 18.10.2005

"Ich bin der Herr dein Arzt" - die Heilkraft der Ikonen

Im Ikonenmuseum Frankfurt/Main widmet sich ein Vortrag der Wechselbeziehungen zwischen Ikonen und Medizin

Gisela Stiehler-Alegria

Der Evangelist Matthäus zitiert Jesus mit den Worten: "Die Starken brauchen des Arztes nicht, sondern die Kranken... Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt böse Geister aus... Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben." "Ich bin der Herr dein Arzt" lautet denn auch das "Mittwochs-Thema" des Frankfurter Ikonen-Museums morgen von 19 bis 20 Uhr, das von Musik und anschließender Diskussion begleitet wird.

Die Ikone zeigt den Heiligen Pantaleon. Sie wurde in Rußland gemalt und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Fotos: ale
Die Heiligen Kosmas und Damian. Ihre Gebeine werden im Reliqiuenschrein von St. Michael in München aufbewahrt.

Der Titel mag provozierend klingen, aber die Wechselbeziehung zwischen Ikonen und Medizin ergibt sich aus dem Symbol "Christus als Heiler". Man denke nur an die durch Jesus vollzogenen (Wunder-)Heilungen, wie sie von den Evangelisten geschildert werden. Als Arzt wird ferner Lukas, der Begleiter des Apostels Paulus, im Brief an die Kolosser bezeichnet. Er soll der Legende nach die ersten authentischen Bildnisse Mariens gemalt haben.

Der erkrankte Körper wird mit der geweihten Ikone berührt

Ikonen gelten nach orthodoxem Glauben als getreues Abbild ihres heiligen Urbildes mit der spirituellen Aufgabe, den Abglanz des Göttlichen zu vergegenwärtigen und eine Fürbitterfunktion zu übernehmen. Dieser Überzeugung gemäß besitzt jede geweihte Ikone heilende Kräfte, die das Berühren und das Auflegen auf erkrankte Körperzonen rechtfertigen. Man kratzte Partikel aus der Farbschicht, die mit Salbengrundlagen vermischt oder in Flüssigkeit gelöst wurden, um als Heilmittel appliziert oder konsumiert zu werden.

Nach Aussagen eines Paters der Mönchsrepublik Athos vertrauen die frommen Mönche der Klöster noch immer auf Lukas, Panteleimon (Pantaleon) oder Kosmas und Damian, wenn sie ärztlicher Hilfe bedürfen. Die Gläubigen nehmen die auf den Ikonen dargestellten Heiligen als übersinnliche Realität wahr und spüren die Erhörung ihrer Gebete.

Unter den sich zur biblischen Forderung der uneigennützigen Hilfeleistung bekennenden Ärzten haben Pantaleon und das Brüderpaar Kosmas und Damian den Status der Heiligkeit erlangt. Als Märtyrer und einer der 14 Nothelfer wird Pantaleon verehrt. Er ist auch ein Stadtpatron von Köln. Zu seinen Attributen gehören das Arzneikästchen und der Salben-spatel. Selbstlose Nächstenliebe und Wunderheilungen werden auch Kosmas und Damian zugeschrieben, die außer dem Arzneikasten das Märtyrerkreuz tragen.

Den originellsten Beweis ihrer ärztlichen Fähigkeit gibt eine auf einem Altarbild überlieferte Szene wieder, die von der Transplantation eines "Mohrenbeins" bei Justinus handelt. Bereits um 800 nach Christus gelangten die sterblichen Überreste der "Unentgeltlichen", wie sie genannt wurden, deren Wirkungsbereich im dritten Jahrhundert in Kilikien lag, nach Essen, werden aber seit 1649 im Reliqiuenschrein von St. Michael in München aufbewahrt.

Eine Themenauswahl nach facharztspezifischer Indikation nahm Dr. Jörgen Schmidt-Voigt, Stifter des Frankfurter Ikonen-Museums, in diversen Publikationen vor. Dabei systematisierte er die Motive der Ikonen nach chirurgischen, gynäkologischen oder forensischen Gesichtspunkten, um nur einige zu nennen, und versuchte, die Wunderheilungen mit modernen diagnostischen Erkenntnissen interpretationsfähig zu machen.

Der Vortrag am Ikonen-Museum Frankfurt/Main, Brückenstr. 3-7, beginnt morgen, Mittwoch, 19. Oktober, um 19 Uhr. Weitere Infos im Internet unter www.ikonenmuseumfrankfurt.de

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