Ärzte Zeitung, 26.10.2005

Krankheit soll nicht mehr an NS-Arzt erinnern

NEU-ISENBURG (Smi). Jahrzehnte lang haben Ärzte dafür gestritten, den Begriff "Reiter-Syndrom" aus den Medizinbüchern zu tilgen, da der Fachterminus auf einen überzeugten Nazi zurückgeht. Tatsächlich wird der Begriff immer seltener verwendet, wie jetzt eine aktuelle Studie belegt.

Das Reiter-Syndrom, auch Morbus Reiter, bezeichnet eine reaktive entzündliche Systemerkrankung. Benannt wurde sie nach dem deutschen Arzt Hans Reiter, der die Krankheit 1916 erstmals beschrieb. Reiter machte unter Hitler Karriere und war am Tod von mehr als 250 KZ-Insassen schuldig, die an obskuren Experimenten starben.

Schon 1977 starteten Ärzte eine Kampagne, den Begriff "Reiter-Syndrom" zu eliminieren und durch die Bezeichnung "Reaktive Arthritis" zu ersetzen - eine Kampagne, die bis heute weiter verfolgt wird.

Wie David Lu und Kenneth Matz von der University Pennsylvania School of Medicine bei einer Analyse von 539 Medizin-Journalen im Internet herausgefunden haben, wurde der Begriff "Reiter-Syndrom" im Jahr 2003 nur noch von 34 Prozent jener, die über die Krankheit schrieben, verwendet ("Journal of the American Academy of Dermatology" 53, 2005, 720).

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So alt sind die Ärzte in Deutschland

Fast jeder dritte niedergelassene Arzt in Deutschland ist jenseits der 60. Wir zeigen in Grafiken, in welchen Fachbereichen die Vergreisung besonders stark ist. mehr »

Deutschland will Zuckerberg bezwingen

Zucker versteckt sich in vielen Fertigprodukten. Das erschwert eine gesundheitsbewusste Ernährung, so die Kritik beim 2. Zuckerreduktionsgipfel. Die Politik will eingreifen. mehr »

Riskanter Psychopharmaka-Einsatz in Altenheimen?

Wie oft bekommen Bewohner deutscher Altenheime beruhigende Medikamente? Diese Frage widmet sich eine jetzt Studie. Anscheinend liegt manches im Argen. mehr »