Ärzte Zeitung, 06.06.2006

Wo man durch einen hübschen rosafarbenen Darm wandern kann

Im Elsaß ist der Umwelt- und Gesundheitspark "Bioscope" eröffnet worden / Broschüren und Filmbeiträge auch auf Deutsch

Von Petra Klingbeil

Durch ein Gewirr von Plastik-Neuronen gehen eine Lehrerin und ihre Schüler im Bioscope. Foto: dpa

Wer gerne mal durch einen menschlichen Darm kriechen würde, hübsch rosafarben mit knallroten Blutgefäßen, kann diese unbekannte Welt jetzt im Umwelt- und Gesundheitspark "Bioscope" im elsässischen Ort Ungersheim kennen lernen. Und nicht nur das. In der abgedunkelten Themenzelle "Schlaf und Traum" beschreibt ein Wissenschaftler per Video, wie im menschlichen Gehirn winzige Nervenzellen unsere Träume steuern.

Spektakulärer Höhepunkt des französischen Parks ist die Feuer-Show im "Theater der Elemente", wo das Feuer als Urkraft der Erde von seinen ungezähmten Anfängen bis zum harmlosen Lagerfeuer unserer Tage von Schauspielern und Pyrotechnikern vorgeführt wird. "Testgruppen" von Erwachsenen und Schülern aus der Region, die das Spektakel bereits vor der Eröffnung besichtigen konnten, waren begeistert.

Seit dem 1. Juni hat dieser erste Umwelt- und Gesundheitspark Frankreichs seine Tore für das Publikum geöffnet. Nun können interessierte Besucher zunächst ihr "ökologisches Profil" erstellen lassen. Das Ergebnis, auf farbigem Papier ausgedruckt, hängt er an einen Baum, der am Ende des Jahres mit mehr als 200 000 Zetteln bedeckt sein könnte - so viele und mehr Besucher werden erwartet.

"Hier im Dreiländereck zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz leben acht Millionen Menschen zwei Autostunden entfernt", sagt Alexia Muller vom "Bioscope". Um diese Besucher anzulocken, haben sich die Parkbetreiber auch sprachlich Mühe gegeben. Broschüren und Filmbeiträge gibt es auf Deutsch, Französisch und Englisch, und die 70 Animateure und Schauspieler im Park sind zumeist zweisprachig.

Gestaltet haben den Park auf 12,5 Hektar Fläche der elsässische Architekt Frédéric Jung und die Landschaftsarchitektin Ursula Kurz aus Paris. Symbolischer Mittelpunkt der kreisförmigen Anlage zwischen Wasserkanälen und Landzungen ist die Nachbildung eines echten Meteoriteneinschlags, der sich am 16. November 1492 bei Ensisheim ereignete. "Der damalige Meteorit wog 150 Kilogramm. Heute sind davon nur noch 50 Kilo übrig geblieben", sagt Muller über den Himmelskörper, der sich im Laufe der Jahrhunderte zersetzt.

61 Millionen Euro werden in den neuen Park investiert

Der private Pariser Parkbetreiber Grévin, der in Frankreich auch den Asterix-Park gestaltet hat, investiert 61 Millionen Euro in das neue Projekt. Bislang ist etwa die Hälfte der Summe ausgegeben worden. Die zweite Bauphase wird von 2008 an in Angriff genommen. "Dann wissen wir, was beim Publikum besser ankommt, die Pädagogik oder das Spielerische", sagt Muller.

Es ist keine einfache Aufgabe, Kindern und Erwachsenen im Zeitalter von Internet, Videoclips und der Reizüberflutung Themen wie Klimawechsel, Mülltrennung und Umweltverschmutzung anschaulich und spielerisch nahe zu bringen.

Aus der grünen Mülltonne duftet es nach Heu

Doch die Parkgestalter haben eine Menge Fantasie entwickelt - wer zum Beispiel den Deckel einer grünen Mülltonne hebt, dem strömt ein nicht unangenehmer Heu- oder Grasduft in die Nase - als Zeichen, daß dies die Tonne für Kompost ist.

Das "Bioscope"-Projekt nicht weit vom deutschen Europapark Rust in Baden-Württemberg anzusiedeln, war Wunsch elsässischer Regionalpolitiker, die in der tristen ehemaligen Kali-Bergbau-Region einen touristischen Schwerpunkt setzen wollten. Klagen über unerwünschte Konkurrenz dürften sich in Grenzen halten.

"Unsere Zielgruppe sind Familien mit Kindern, die intelligente Freizeitgestaltung wollen", erläutert Muller. In Rust habe man ein anderes Publikum im Blick. Der Vergnügungspark etwa 50 Kilometer weiter nördlich besitzt einen etablierten Ruf weit über die Grenzen der Region hinaus: 2005 hat er etwa 3,5 Millionen Menschen angelockt. (dpa)

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