Ärzte Zeitung, 30.06.2006

IM GESPRÄCH

Vor jedem Spiel sind die Helfer für Katastrophen gerüstet

Von Patrick Hagen

Helfer vor Ort: Wolfgang Sladek von der Kölner Berufsfeuerwehr (links) und Dr. Martin zur Nieden, Oberarzt bei der Feuerwehr. Foto: pah

Hilfsdienste und Feuerwehr sind während der Fußball-WM in einem Riesen-Einsatz. Das Deutsche Rote Kreuz spricht gar vom größten Einsatz seiner Geschichte. Bisher ist es überall relativ ruhig geblieben. Die Tausenden von Helfern in den WM-Städten haben wenig zu tun gehabt. Dennoch sind sie stets auf alles vorbereitet, wie das Beispiel aus Köln zeigt.

Der Parkplatz vor dem Kölner WM-Stadion ist nach kurzer Zeit nicht mehr wiederzuerkennen. Aus Feuerwehrwagen, Absperrband, Planen und Zeltstangen entsteht eine moderne Wagenburg. Routiniert bauen Feuerwehrleute und Sanitäter den Behandlungsplatz für einen möglichen Katastrophenfall auf.

Mit etwa 30 mal 80 Metern hat das Gelände fast die Größe eines halben Fußballfeldes. "Unter Zeitdruck schaffen wir den Aufbau in einer halben Stunde", sagt Wolfgang Sladek von der Kölner Berufsfeuerwehr, der für die Organisation verantwortlich ist.

Vier Zelte für Verletzte, zwei für Vergiftete

Während die ersten Zuschauer ins Stadion strömen, richten sich die etwa hundert Helfer und neun Ärzte auf den Ernstfall ein. Sie sind auf alles vorbereitet. Für Massenvergiftungen stehen zwei Extra-Zelte bereit. Verletzte können in einem der vier Behandlungszelte versorgt werden.

Zwei von den Zelten sind für schwer verletzte Opfer vorgesehen, die ohne sofortige Hilfe keine Überlebenschance hätten. In den mit einem roten Schild markierten Zelten stehen je acht Liegen. Die Kopfteile sind zur Mitte gerichtet, so daß Patienten parallel versorgt werden können. Medikamente, Verbandsmaterial und Narkosemittel liegen bereit. Operationen können auf dem Behandlungsplatz allerdings nicht vorgenommen werden.

Deshalb müssen die Opfer auch möglichst schnell in Krankenhäuser geschafft werden. "Wir können Patienten nicht hier heilen, sondern wir machen sie transportfähig", erklärt Martin zur Nieden, Oberarzt bei der Feuerwehr und medizinischer Leiter des Behandlungsplatzes. Verletzte sollen im Katastrophenfall möglichst schnell die verschiedenen Bereiche durchlaufen und in geeignete Krankenhäuser gebracht werden.

Für den Transport stehen fünf Rettungswagen bereit. Zusätzliche Wagen sind auf Abruf verfügbar, ebenso Rettungshubschrauber. Sollte es tatsächlich zu einer Katastrophen kommen, werden die Verletzten nach den Regeln der Triage zunächst nach der Schwere der Verletzung in verschiedene Kategorien eingeordnet.

Trotz der Vorbereitung auf eine Katastrophe ist auf dem Gelände in Köln von Anspannung nichts zu spüren. "Der Einsatz hat ungewöhnlich große Dimensionen, aber für uns ist das Tagesgeschäft", sagt zur Nieden. "Hier ist niemand aufgeregt." Seit über einem Jahr planen zur Nieden und Sladek die Notfallversorgung während der Fußball-Weltmeisterschaft. "Wir sind auf alle Standardsituationen vorbereitet", sagt Sladek.

Zum Glück hat es für die Helfer bisher fast nichts zu tun gegeben. "Wir haben vier oder fünf leichte Verletzungen versorgt. Aber nichts Ernsthaftes", sagt zur Nieden. Auch dieser Abend verläuft unspektakulär. Kein Patient muß auf dem Behandlungsplatz versorgt werden.

"Bislang war die Lage sehr ruhig"

Für die Hilfsdienste der Malteser, Johanniter, des Arbeiter-Samariter-Bundes und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bedeutet die Weltmeisterschaft ständige Einsatzbereitschaft. Die Malteser hatten bisher über 10 000 Helfer für den Sanitäts- und Rettungsdienst im Einsatz und in Bereitschaft, darunter 205 Ärzte. Sie sind vor allem an den Public-Viewing-Plätzen aktiv. "Bislang war die Lage sehr ruhig", sagt Malteser-Sprecher Stefan Meetschen. "Viele Vorfälle sind auf das Wetter zurückzuführen und darauf, daß die Leute nicht genug trinken."

Das DRK ist mit insgesamt 35 000 Helfern im Rettungsdienst, an den öffentlichen Übertragungsplätzen und in den Stadien tätig. In den Stadien mußten die DRK-Sanitäter bislang etwa hundert Mal pro Spiel eingreifen. "Das ist das Doppelte eines normalen Bundesligaspiels", sagt DRK-Sprecher Achim Müller. "Insgesamt haben wir mehr Kräfte im Einsatz als ursprünglich geplant." Das liegt auch daran, daß sich wegen der großen Begeisterung für die deutsche Mannschaft mehr Zuschauer auf den öffentlichen Fan-Meilen einfinden als ursprünglich erwartet. (pah)

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