Ärzte Zeitung, 13.07.2006
 

BUCHTIP

Schönheit - und Männer reagieren wie Automaten

Den Schönen gehört also die Welt, sie sind (im Durchschnitt, wohlgemerkt) intelligenter, haben meist mehr Geld, eine höhere Lebenserwartung, mehr Chancen auf dem Heiratsmarkt. Männer reagieren schönen Frauen gegenüber wie Automaten, indem sie bei ihrem Anblick erhebliche Mengen an Testosteron produzieren.

Babys reagieren auf schöne Menschen mit mehr Blickbewegungen als auf häßliche - und und und. Man könnte diese Liste noch seitenlang fortsetzen, wollte man alles resümieren, was Ulrich Renz zum Thema "Schönheit" in der wissenschaftlichen Literatur gefunden hat.

Überrascht ist der Leser vor allem darüber, daß Schönheit nicht mehr das Monopol der Regenbogenpresse ist, die es ausschlachtet, sondern daß sich das weite Feld der Attraktivitätsforschung inzwischen zu einem veritablen (und seriösen) Wissenschaftszweig gemausert hat, an dem Biologen ebenso beteiligt sind wie Wirtschaftswissenschaftler, Plastische Chirurgen, Biochemiker, Psychologen und Sozialwissenschaftler.

Daß Schönheit nichts Subjektives ist, sondern mit Hilfe neu entwickelter wissenschaftlicher Methoden mit hinlänglicher Genauigkeit sogar gemessen werden kann, zeigt Renz ebenso wie die Tatsache, daß es besonders die Sexualhormone sind, die den Menschen in Sachen Schönheit fast zum Automaten degradieren.

Daß der Autor weiß, wovon er schreibt und daß er - was in diesem Fall sehr wichtig ist - gut schreiben kann, belegt sein beruflicher Hintergrund. Denn schon als Medizinstudent hat er zusammen mit seinen Kommilitonen klinische Leitfäden verfaßt. Als fertiger Arzt übernahm er dann einen (bekannten) Wissenschaftsverlag - bis er 1998 beschloß, nur noch als Autor tätig zu sein.

Das Beste an seinem neuen Buch ist sicherlich die Tatsache, daß sich so gut wie keine sachlichen Fehler finden und daß sich das Werk fast ebenso spannend liest wie ein Kriminalroman - bevorzugt also am Stück. (FHV)

Ulrich Renz: "Schönheit - Eine Wissenschaft für sich". Berlin-Verlag 2006. 19,90 Euro. ISBN 3-8270-0624-4.

Topics
Schlagworte
Panorama (31030)
Krankheiten
Testosteron-Mangel (349)
Wirkstoffe
Testosteron (323)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »