Ärzte Zeitung, 03.11.2006

Der Anteil der sexuell Frühreifen bleibt konstant

Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Jugendsexualität / Weniger Mädchen gehen vor dem ersten Sex zum Gynäkologen

KÖLN (ble). Immer weniger Mädchen gehen vor dem ersten Geschlechtsverkehr zum Frauenarzt. Als mögliche Gründe nannte die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Dr. Elisabeth Pott, die Einführung der Praxisgebühr und den vermehrten Einsatz von Kondomen.

Die erste Liebe. Zwölf Prozent der 14jährigen Mädchen hatten schon Geschlechtsverkehr. Foto: dpa

Im Jahr 2001 hatten 34 Prozent der Mädchen den ersten Geschlechtsverkehr vor dem ersten Besuch beim Gynäkologen. Im vergangenen Jahr sei die Zahl auf 40 Prozent gestiegen, sagte Pott bei der Vorstellung der BZgA-Studie "Jugendsexualität" gestern in Köln.

In der nächsten Befragung soll deshalb geklärt werden, ob Fehlinformationen zur Praxisgebühr oder andere Gründe ursächlich für den Anstieg seien. Die BZgA analysiert seit 1980 Einstellungen und Verhaltensweisen von Jugendlichen zur Sexualität. Befragt wurden diesmal 2497 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren und deren Eltern.

Die in der Öffentlichkeit weit verbreitete Meinung, daß Jugendliche immer früher Sex haben, werde durch die Studie widerlegt, so Pott. Sie glaubt, Grund für diese Fehlinformationen sei die an Einzelfällen aufgehängte Berichterstattung in verschiedenen Medien. "Wir beobachten, daß die Zahl derer, die schon Geschlechtsverkehr hatten, bei den 17jährigen gestiegen ist, sich aber bei den 14jährigen nicht verändert hat", sagte sie.

So stieg die Zahl bei den 17jährigen Mädchen mit 73 Prozent im Jahr 2005 verglichen mit 66 Prozent im Jahr 2001 zwar an, bei den 14jährigen Mädchen blieb sie mit zwölf Prozent allerdings nahezu konstant. Bei den 14jährigen Jungen hatte jeder zehnte bereits Geschlechtsverkehr, 2001 waren es acht Prozent.

Bei der Verhütungsberatung sind die Eltern immer wichtiger: So wurden 70 Prozent der Mädchen und 60 Prozent der Jungen im Elternhaus über Verhütungsmöglichkeiten informiert. Zudem erhielten 48 Prozent der Mädchen den Rat, zusätzlich ein Kondom zu benutzen, so Pott. Bei den Jungen dominiere als vorgeschlagenes Verhütungsmittel das Kondom mit 90 Prozent, bei den Mädchen mit 65 Prozent weiter die Pille. Knapp jedes zehnte Mädchen hatte bereits persönliche Erfahrung mit der "Pille danach".

Auch die Jungen werden inzwischen hauptsächlich von den Eltern aufgeklärt. Im vergangenen Jahr waren das 65 Prozent, vor 25 Jahren aber war das nicht einmal die Hälfte.

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