Ärzte Zeitung, 30.11.2006

Amputationssäge und Abführrezept

Ausstellung im Leipziger Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin

100 Jahre alt ist das Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften in Leipzig. In einer Ausstellung gibt das Institut nun Einblick, wie sich die Arbeit in den Fächern im Laufe der vergangenen 100 Jahre verändert hat. Die Schau in der Unibibliothek sei eine der besten Präsentationen, die ihr Institut in den letzten Jahren konzipiert habe, so die Direktorin des Sudhoff-Instituts, Professor Ortrun Riha.

Eine Besucherin der Ausstellung im Karl-Sudhoff-Institut betrachtet historische Instrumente. Foto: dür

Die Besucher lernen nicht nur das Leipziger Institut, sondern auch seinen berühmten Gründungsdirektor Karl Sudhoff kennen. Sie erhalten Einblick in Sammlungen, in die Bibliothek und die Arbeitsmethoden des Instituts. "Wir geben auch einen Eindruck von den aktuellen Aufgaben, die das Institut für die Medizinische Fakultät und die Universität wahrnimmt. Dabei wird erkennbar, welche Außenwirkung die vermeintlichen Orchideenfächer Medizin- und Wissenschaftsgeschichte entfalten können", sagt Riha zur Konzeption der Ausstellung.

Zu sehen sind historische Quellen der Medizin- und Wissenschaftsgeschichte sowie Forschungsarbeiten des Instituts, darunter Schätze wie ein Abführrezept aus dem 16./17. Jahrhundert oder ein Impfschein gegen "Schutzblattern" aus dem Jahr 1819. Blickfänge sind vor allem die historischen Instrumente. Etwa eine Haarseilzange aus dem 18. Jahrhundert oder alte Instrumente aus der Chirurgie. Das meist ausgeliehene Instrument ist die Amputationssäge aus dem 17. Jahrhundert. Ausstellungsmacher zeigen sie offenbar gern, um das Publikum beim Gedanken an die Medizin der Vorfahren das Gruseln zu lehren.

Die Vitrine "Arbeitsmethoden im Wandel" macht deutlich, wozu nachlässiges Katalogisieren beim Anlegen von Sammlungen führt oder welcher Quantensprung zwischen Fotos auf Glasplatten und dem heutigen Speichermedium CD-ROM liegt.

Die Menschen hinter den Forschern stellt die Vitrine "Geselliges Leben" vor, mit Fotos von Betriebsausflügen, Feiern oder Auszügen aus dem Brigadebuch des Instituts. (dür)

Informationen finden Sie auch im Internet unter www.ub.uni-leipzig.de

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