Ärzte Zeitung, 23.04.2007
 

Stephen Hawking plant einen Ausflug ins Weltall

Der britische Physiker bereitet sich mit einem Parabelflug auf die Schwerelosigkeit vor / US-Unternehmen bieten Tickets ab 200 000 US-Dollar an

BERLIN. Bisher hat er nur über Schwerelosigkeit theoretisiert, nun wird er sie erleben: Der an ALS erkrankte Physiker Stephen Hawking wird am 26. April am Kennedy Space Center in Florida einen Parabelflug antreten.

Von Ursula Armstrong

Hat das Ticket bereits gekauft: Der britische Astrophysiker Stephen Hawking will ins All. Foto: dpa

Parabelflüge sind besondere Flugmanöver, bei denen es für einige Sekunden zur Schwerelosigkeit kommt. Das Flugzeug fliegt ab 7300 Metern Höhe in einem steilen Winkel von 45 Grad höher auf etwa 9750 Metern und von dort in einem Winkel von 30 Grad wieder auf die Erde zu. Das simuliert einen freien Fall auf die Erde. Passagiere erleben etwa 25 Sekunden lang Schwerelosigkeit. Beim Einleiten des Steigflugs allerdings herrscht im Flugzeug fast doppelte Schwerkraft. Während eines Fluges werden bis zu 15 Parabeln geflogen.

Hawking, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ist der erste Gelähmte, der einen solchen Parabelflug unternimmt. Assistenten werden ihm auf dem Flug beistehen. Organisiert wird der Flug vom US-Unternehmen Zero Gravity Corporation, das seit 2004 solche Schwerelosigkeitsflüge anbietet. Hawkings Parabelflug kostet 3750 Dollar. Zero Gravity will den Astrophysiker einladen.

Hawking hat aber noch größere Pläne. Der Parabelflug ist nur die Vorbereitung für einen Raumflug, der schon fest für 2009 vereinbart ist. Und er ist nicht der einzige, der bereits sein Ticket für einen Flug ins All besitzt. Weltraumtourismus sei eben keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits Realität, sagte Professor Rupert Gerzer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln auf einem Ärzte-Forum, das das Auswärtige Amt und das Düsseldorfer Centrum für Reisemedizin in Berlin veranstaltet haben.

Hawking wird mit dem Unternehmen Virgin Galactic ins All fliegen, dessen Gründer Richard Branson wird ihn einladen. Virgin Galactic wirbt damit, schon im nächsten Jahr Touristenflüge ins All zu veranstalten. Solche Flüge gehen dann auf über 100 Kilometer Höhe und dauern insgesamt nur wenige Stunden. Etwa fünf Minuten lang erleben die Passagiere Schwerelosigkeit. Außerdem haben sie einen atemberaubenden Blick auf die Erde.

Erste Weltraumtickets sind schon im Internet buchbar

Ab 2009 will Virgin Galactic wöchentlich einen Flug mit je sechs Passagieren anbieten, und in den folgenden Jahren sogar mehrere Flüge am Tag. "Das kann sich um ein bis drei Jahre verschieben, aber das sind eben nur ein paar Jahre", so der Luft- und Raumfahrtmediziner Gerzer. Tickets gibt es für 200 000 US-Dollar. Man kann jetzt schon im Internet fest buchen. Mehrere hundert Tickets seien bereits verkauft, sagte Gerzer.

Die ersten Flüge werden vom Mojave Spaceport in Kalifornien aus gestartet. Aber es sind schon weitere Spaceports in Bau. Im nächsten Jahr wird der Spaceport America im US-Bundesstaat New Mexico fertig gestellt. Außerdem entsteht ein Spaceport in Kiruna in Nordschweden.

Virgin Galactic hat auch schon Konkurrenz: Das Unternehmen Space Adventures will ein Jahr später mit den Weltraumflügen beginnen, bietet die Tickets aber für nur 102 000 Dollar an. Gestartet wird von Spaceports, die zurzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Singapur entstehen. Und dann gibt es Bigelow Aerospace: Dieses Unternehmen will spätestens 2015 das erste Weltraumhotel eröffnen.

Weltraumtouristen erhalten nur ein kurzes Training

Und welche gesundheitlichen Kriterien müssen Weltraumtouristen erfüllen? In der Untersuchung vor dem Flug ins All werden etwa Einschränkungen in der Lungenfunktion, eine mittelschwere COPD, sichtbare Bläschen in beiden Lungenflügeln und eine Nierenzyste festgestellt, zitiert Gerzer aus der Zeitschrift "Aviation, Space, and Environmental Medicine". Anders als Astronauten die Monate lang auf ihre Flüge vorbereitet werden, werden Weltraumtouristen drei, vier Tage vorher einbestellt, medizinisch untersucht und ein wenig trainiert. Zur Vorbereitung wird ein Zentrifugentraining gehören.

"Das wird absolut erforderlich sein wegen der starken Beschleunigung bei Start und Landung. Wer das nicht besteht, wird wahrscheinlich von selbst aufgeben", so Gerzer.

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