Ärzte Zeitung, 25.05.2007

Eine Metallröhre ersetzt die Staubtücher der Stasi

Geruchsproben in der Diskussion / Beweiswert eines positiven Nachweises ist geringer als bei einem Fingerabdruck

NEU-ISENBURG (run). Sie gehören zu den skurrilen Relikten der Stasi-Zeit - Geruchsproben. Im Vorfeld des G-8-Gipfels in Heiligendamm scheinen sie nun eine Renaissance zu erleben. Doch funktioniert diese Technik überhaupt?

Zu den Hinterlassenschaften des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit gehören außer langen Aktenreihen und Millionen Karteikarten auch Geruchsproben. Die Stasi sammelte diese Proben von Regimegegnern in luftdichten Einmachgläsern. Die Proben wurden zum Teil unbemerkt gemacht - etwa indem Tücher auf Sitzkissen gelegt wurden. Zum anderen mussten festgenommene Dissidenten auf gelben Staubtüchern eine Probe ihres Körpergeruchs aus dem Intimbereich hinterlassen. Spürhunde hätten dann bei einer Fahndung anhand der Geruchsproben Dissidenten gezielt suchen können. Beispiele für einen erfolgreichen Einsatz dieser Methode sind allerdings nicht bekannt. In der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin werden noch 21 Geruchskonserven aufbewahrt, einige Gläser gingen zudem an Museen, etwa das Haus der Geschichte in Bonn, und Außenstellen der Behörde in den neuen Ländern.

Die Methode, die jetzt in die Diskussion geraten ist, ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft eine normale, wenn auch seltene Ermittlungsmethode. Sie sei vom Beweiswert her zwar nicht mit einem Fingerabdruck oder einer DNA-Spur vergleichbar, aber als Indiz wichtig. Die Proben werden dabei nach wissenschaftlich standardisierten Verfahren genommen, in dem der Beschuldigte eine Metallröhre ein paar Minuten in der Hand hält. Der Abgleich mit Spuren auf sichergestelltem Material - etwa einem Kleidungsstück, das am Tatort gefunden wurde - erfolgt durch besonders ausgebildete Hunde.

Topics
Schlagworte
Panorama (30943)
Organisationen
Stasi (20)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Abwarten schlägt Op

Zumindest in den ersten sechs Jahren nach Diagnose haben Männer mit lokalisiertem Prostata-Ca eine bessere Lebensqualität, wenn sie sich nicht unters Messer legen. mehr »

No deal-Brexit? Dieses Szenario lässt NHS-Angestellte schaudern

Je mehr Zeit in ergebnislosen Verhandlungen verrinnt, desto nervöser werden Beschäftigte vor allem im Gesundheitswesen. Ein Brexit ohne Vertrag mit der EU? Im NHS fürchtet man in diesem Fall ein Desaster. mehr »

Der reine Telearzt kommt

Fernbehandlung ohne Erstkontakt in der Praxis? Im Ländle wird dieses Modell jetzt erstmals getestet. Die Kammer dort hat gerade das erste Projekt genehmigt. mehr »