Ärzte Zeitung, 04.07.2007

Hunde im Einsatz für Behinderte

Französischer Verband bildet Vierbeiner zu Begleitern aus / Hilfe im Alltag

VOGELGRUN (UB). Rachel und Philo sind nun schon seit sechs Jahren zusammen und ein bestens eingespieltes Team. Philo, die Labradorhündin, liest ihrer 16-jährigen Partnerin im Rollstuhl - sie leidet an einer Muskeldystrophie - jeden Wunsch oder Auftrag von den Augen, der Stimme und der Gestik ab.

Hilfe auf vier Beinen: Labrador- und Golden Retriever werden vom französischen Verband "Handi‘Chiens" als Begleiter für Behinderte ausgebildet. Foto: UB

Die Hündin öffnet und schließt Türen - auch von Kühlschränken zur Herausnahme von Ess- oder Trinkbarem -macht Licht an und aus, apportiert das drahtlose Telefon, bellt, wenn Rachel Daumen und Zeigefinger auf und zu klappt.

Auch außerhalb der eigenen vier Wände kann die junge Frau auf ihre vierbeinige Begleiterin zählen. Da Tresen in Supermärkten nicht auf Augenhöhe mit Rollstuhlfahrern sind, macht Philo die "Handarbeit": Sie übergibt dem Verkäufer das Portemonnaie, nimmt die gewünschte Ware entgegen und bringt sie brav zum Rollstuhl - auch, wenn es sich dabei um Wurst handeln sollte. Denn gelernt ist gelernt.

Der französische Verband "Handi‘Chiens" demonstrierte vor kurzem bei einer grenzüberschreitenden Veranstaltung zu Gunsten Behinderter auf dem Reiterhof "Le Ranch" im elsässischen Vogelgrun was ausgebildete Behindertenhunde alles können. Der Verband übernimmt ausgesuchte Welpen der Rassen Labrador und Golden Retriever im Alter von zwei Monaten, lässt sie 16 Monate zur Vorerziehung bei geeigneten Familien, bevor sie dann speziell ausgebildet werden. Wenn sie etwa 50 Befehle ausführen können, folgt ein 14-tägiges Training mit ihrem zukünftigen Begleiter.

Die Übergabe der ausgebildeten Tiere an die Behinderten ist gratis. Die Ausbildungskosten in Höhe von 12 000 Euro je Hund werden über Spenden finanziert.

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