Ärzte Zeitung, 09.11.2007

BUCHTIPP DES TAGES

Gewalt macht Kinder krank

Gewalt gegen Kinder ist in Deutschland nach wie vor Alltag, sei es verbale Gewalt, physische Gewalt oder sexueller Missbrauch. Ein Grund dafür sei, dass die Ansicht weit verbreitet ist, Eltern hätten das Recht, ihre Kinder zu demütigen oder zu schlagen, schreibt die Allgemeinärztin Dr. Anke Diehlmann aus Johannisberg in ihrem Buch. Das mache die Menschen in der Umgebung oft blind für Gewalttaten.

Eindringlich plädiert die Kollegin dafür, einen Teufelskreis zu durchbrechen. Einen Kreislauf, in dem Gewalt-ausübende Eltern selbst als Kinder Gewalt erfahren haben und deren Kinder ebenfalls Gewalt ausüben werden. Warum? Weil die erwachsen gewordenen Kinder die Taten einerseits verdrängen, andererseits als berechtigt ansehen.

Mit der Schilderung von acht Einzelschicksalen ruft Diehlmann zu gewaltfreier Erziehung auf. Alle dargestellten Personen hat sie selbst psychologisch und medizinisch betreut, es handelt sich also um authentische Schicksale.

Erschütternd für den Leser sind viele Details, etwa von Sabine, deren Mutter keinen Zugang zur Gefühlswelt ihrer Tochter findet. Sabine erkrankt später an einer schweren Neurose.

Oder Svenja, die als kleines Mädchen regelmäßig zur Strafe in einen Schrank gesperrt wird. Die Ärztin macht deutlich, welche Prozesse in dieser Situation ablaufen, welche seelischen und körperlichen Schwierigkeiten sich später aus dieser Form von Gewalt ergeben.

Diehlmann appelliert im letzten Teil des Buches an junge und alte Eltern, die Augen zu öffnen, zu Fehlern zu stehen und sie aufzuarbeiten. "Bitte ... keine Gewalt" ist ein Buch, das dazu anregt, über sich selbst und seine eigenen Erziehungsmethoden nachzudenken. (ner)

Anke Diehlmann: Bitte ... keine Gewalt, Edition Fischer GmbH 2006, 155 Seiten, Preis: 9,90 Euro, ISBN 978-3-8301-0976-1

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Kein Darmkrebs-Screening ab 45 Jahren

Der GBA lehnt die Senkung der Altersgrenzen beim Darmkrebs-Screening ab. Dagegen soll das organisierte Einladungsverfahren zur Früherkennung ab Juli 2019 starten. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »