Ärzte Zeitung, 04.02.2008

Erfolgreiche Forscher ohne Kinderbonus

Zwei Kinder veröffentlichen Studie in renommiertem Fachmagazin / Auslöser war ein Beitrag für "Jugend forscht"

FRANKFURT/MAIN (Smi). Das hatte es in der 132-jährigen Geschichte der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" (DMW) noch nie gegeben: Mit Hannah und Philipp Neumann haben erstmals zwei Kinder in dem renommierten medizinischen Fachmagazin publiziert.

Für die Geschwister, die über den Zusammenhang von Sport, Ernährung und Schulnoten geforscht haben, habe es keinen "Kinderbonus" gegeben, beteuert Professor Martin Middeke, Chefredakteur jener Zeitschrift, die als Organ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte im Georg Thieme Verlag erscheint.

Die 12-jährige Hannah Neumann und ihr Bruder Philipp (14 Jahre) gehen aufs Lessing-Gymnasium in Mannheim. In einem Zeitungsartikel lasen sie, dass Schüler, die sich gesund ernähren, regelmäßig Sport treiben, musizieren und wenig fernsehen, die besseren Noten erzielen. Sie wollten es genau wissen und entwarfen im Rahmen von "Jugend forscht" einen Fragebogen, den sie unter ihren Mitschülern verteilten. Bei 729 ausgegebenen Bögen betrug die Rücklaufquote stolze 84 Prozent!

Die Auswertung ihrer Erhebung bestätigte ihre Anfangsvermutung: Hoher Medienkonsum, eine ungesunde Ernährung und mangelnder Sport münden nicht nur in Übergewicht, sondern auch in schlechten Schulnoten. Jungen, so bestätigten die Ergebnisse der beiden Nachwuchsforscher, verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher und Computer, Mädchen treiben weniger Sport als Jungen.

In der Unterstufe, so fanden Hannah und Philipp heraus, bewegten sich die Kinder sowieso auffallend wenig. Das, so ihre Vermutung, könne mit der Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre zusammenhängen; denn um das zusätzliche Pensum zu bewältigen, wurden kurzerhand Sportstunden gestrichen. In ihrem Fazit schlagen die Mannheimer Geschwister vor, in die Pausen spezielle Bewegungsprogramme zu integrieren und in dem der Schule angeschlossenen Kiosk gesündere Lebensmittel auszugeben.

Ein wenig Unterstützung erhielten die Geschwister von ihrer Mutter, einer Ärztin; bei der Auswertung half ihnen eine Mathematikerin der Uni Heidelberg, die mit der Mutter befreundet ist.

Als die Geschwister die Studienergebnisse auf einem Diabetes-Kongress in Hamburg der Öffentlichkeit vorstellten, saß auch Martin Middeke im Auditorium. Die Leistung der Kinder beeindruckte ihn sehr. Spontan sprach er sie an und fragte nach, ob sie Interesse hätten, die Ergebnisse ihrer Studie in der DMW zu veröffentlichen. Letztendlich sei seiner Zustimmung zur Publikation jedoch eine Revision der Arbeit nach den Vorgaben externer Gutachter vorausgegangen, versichert der Chefredakteur. Mit der Veröffentlichung ihrer Studie (Neumann, H.; Neumann, P.: Ernährung und Bewegung von Schülern. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 132 (51/52), 2007, 2736), so vermutet Middeke, seien die Kinder möglicherweise sogar weltweit die jüngsten Autoren, die jemals in einer medizinischen Fachzeitschrift publiziert haben.

Topics
Schlagworte
Panorama (30872)
Organisationen
DMW (107)
Krankheiten
Adipositas (3111)
Diabetes mellitus (8608)
Personen
Georg Thieme (61)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »