Ärzte Zeitung online, 22.08.2008

Möglicherweise fünf tote Deutsche bei dem Flugzeugunglück

MADRID (dpa). Bei dem Flugzeugunglück auf dem Madrider Flughafen sollen nach Angaben der spanischen Regierung fünf Deutsche unter den Opfern sein. Die Regierung teilte am Donnerstag mit, bei dem Unglück seien wenigstens 14 Menschen gestorben, die nicht aus Spanien stammten.

Dazu gehörten fünf Deutsche nach Angaben der spanischen Regierung. Außerdem seien unter den Toten zwei Franzosen sowie jeweils ein Passagier aus Italien, der Türkei, Bulgarien, Brasilien, Mauretanien, Gambia und Indonesien. Deutsche Stellen sprachen dagegen von vier möglicherweise toten Fluggästen aus Deutschland. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte dazu am Donnerstagabend in Berlin: "Wir gehen diesen Hinweisen nach, haben aber noch keine Erkenntnisse."

Spanische Regierung sichert umfassende Aufklärung zu

Die spanische Regierung hat eine umfassende Aufklärung der Umstände zugesagt, die zum Flugzeugabsturz in Madrid führten. "Es wird alles getan, um festzustellen, was die Ursachen der Katastrophe waren und wer dafür verantwortlich war", sagte Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero nach Medienberichten vom Freitag. Bei dem Absturz der Linienmaschine der spanischen Gesellschaft Spanair unmittelbar nach dem Start auf dem Flughafen Madrid-Barajas am Mittwoch sind 153 Menschen ums Leben gekommen. 19 Menschen überlebten schwer verletzt.

Defektes Triebwerk gilt weiter als Absturz-Ursache

Die Regierung ordnete für ganz Spanien eine dreitägige Trauer für die Opfer an. Eine Expertenkommission nahm die Untersuchungen zur Absturzursache auf. Die spanische Behörde für Zivilluftfahrt äußerte die Vermutung, dass das Auseinanderfliegen eines Triebwerks den Absturz ausgelöst haben könnte. Von dem defekten Triebwerk könnten sich Teile gelöst haben, die "wie Geschosse" umhergeflogen seien, sagte ein Sprecher. Dadurch könnten das Ruder und das andere Triebwerk beschädigt worden sein und die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verloren haben.

Zahlreiche Experten wiesen jedoch darauf hin, dass dies nicht allein die Ursache der Katastrophe gewesen sein könne. Die Maschine hatte nach Gran Canaria fliegen sollen, war aber nach dem Start nur etwa 50 Meter abgehoben, in ein ausgetrocknetes Flusstal gestürzt und in Flammen aufgegangen.

Die spanische Verkehrsministerin Magdalena Alvarez bestätigte, dass der Pilot vor dem Unglück wegen "technischer Probleme" einen Start abgebrochen hatte. Sie ließ jedoch unklar, worin die Probleme bestanden. Nach Überprüfung der Maschine gaben Techniker das Flugzeug zum Start frei. Spanair teilte mit, die Piloten hätten eine "Überhitzung in der Luftzufuhr" festgestellt. Dieser Defekt sei von den Technikern behoben worden.

Mit großer Wahrscheinlichkeit gehört auch eine Familie aus Bayern zu den Opfern der Katastrophe von. Ein Sprecher der Lufthansa bestätigte, dass das Ehepaar und seine beiden Söhne aus Pullach bei München auf der Passagierliste der abgestürzten Spanair-Maschine standen. Jedoch sei noch nicht mit letzter Sicherheit geklärt, ob die Deutschen auch an Bord waren.

Zur Identifizierung werden DNA-Analysen eingesetzt

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte: "Wir haben Hinweise von den zuständigen spanischen Behörden, dass sich vier Deutsche unter den Todesopfern befinden. Diese Angaben stehen unter dem Vorbehalt der endgültigen Identifizierung der Opfer." Die spanische Regierung sprach dagegen von fünf toten Deutschen.

Die Toten wurden in einer Messehalle aufgebahrt. Bis zur Nacht zum Freitag wurden mehr als 40 Tote identifiziert. Bei fast 100 Opfern ist eine Identifizierung nach Angaben der Regierung nur mit Hilfe von DNA-Analysen möglich. Viele Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Unter den Toten sind auch 20 Kinder und Jugendliche.

König Juan Carlos und Königin Sofía spendeten den Angehörigen der Toten in der Messehalle Trost. Papst Benedikt XVI. äußerte sich zutiefst betroffen über die Flugzeugkatastrophe und wünschte den Überlebenden eine rasche und vollständige Genesung. Aus Deutschland übermittelten Bundespräsident Horst Köhler und Lufthansa- Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber den Hinterbliebenen der Opfer ihr Beileid.

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