Ärzte Zeitung online, 26.08.2008

Verband verwaister Eltern: Trauer um totes Kind dauert lebenslang

LEIPZIG (dpa). Die Trauer um ein gestorbenes Kind dauert ein Leben lang. "Das kann keiner ablegen, bis zum Schluss nicht", sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes verwaister Eltern, Petra Hohn

Besonders im ersten Jahr seien Eltern durch den Verlust "so schwer gefangen, dass sie Unterstützung und Zuhören benötigen". Erst dann werde ihnen bewusst, was geschehen sei. Häufig gebe es auch nach einem Jahr, wenn das Umfeld von einer Besserung ausgehe, einen Rückfall. Diese Phase der ersten Verarbeitung sei unterschiedlich lang: "Der eine braucht drei Jahre, der andere fünf Jahre," sagte Hohn in Leipzig in einem Gespräch mit dpa.

Für Trauernde, wie die Eltern der ermordeten Michelle in Leipzig, müssten jetzt Freunde und Verwandte erst einmal nur da sein. "Wichtig ist es, zuzuhören, keine Ratschläge zu geben und keine Schuldzuweisungen", sagte Hohn. "Man muss ihnen beistehen und Geduld haben, starke Nerven und viel Zeit."

Menschen, die um ein Kind trauern, würden das sehr unterschiedlich verarbeiten, sagte Hohn. "Mancher kauft Bücher und liest nur, oder er wird kreativ. Es gibt aber auch die Flucht in die Sucht, etwa in Alkohol, Nikotin, Tabletten oder auch die Arbeit."

Der Bundesverband verwaiste Eltern berät Väter und Mütter, die ein Kind verloren haben. Er vermittelt auch Selbsthilfegruppen. Professionelle psychologische Hilfe sei beim Trauern um ein Kind aber nicht unbedingt nötig, betonte Hohn. "Trauer ist keine Krankheit. Man muss die Trauer ausleben, das nimmt uns kein Psychiater ab."

Die Gesellschaft habe heute ein größeres Problem mit dem Tod als früher. Der Tod passe nicht in das moderne Bild von einem fröhlichen Leben, sagte Hohn. "Wer redet denn schon gerne über den Tod?" Dabei sei gerade das Sprechen zur Verarbeitung entscheidend.

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