Ärzte Zeitung online, 05.09.2008
 

Angespannte Lage in indischen Überschwemmungsgebieten

NEU DELHI (dpa). In den Überschwemmungsgebieten im ostindischen Bundesstaat Bihar bleibt die Lage für die mehr als 3,5 Millionen Betroffenen angespannt. Zwar sei die Evakuierung des unmittelbaren Katastrophengebiets am Fluss Kosi weitgehend abgeschlossen, sagte Pratyay Amrit von der regionalen Katastrophenschutzbehörde am Freitag.

Allerdings weigerten sich noch etwa 20 000 Betroffene, ihre Häuser zu verlassen. "Das ist alarmierend, denn trotz leicht gesunkener Pegel ist die Gefahr nicht vorüber", sagte Amrit. Mit Hilfe von Flugblättern und Durchsagen im Radio werde versucht, die Menschen zum Umzug in sicherere Auffanglager zu bewegen.

Bislang halten sich nach offiziellen Angaben mehr als 300 000 Flüchtlinge in den insgesamt 270 Lagern auf. In allen Lagern gebe es genügend Lebensmittel und Medikamente, erklärte Amrit. Auch sanitäre Einrichtungen seien nach anfänglichen Problemen inzwischen in ausreichender Zahl errichtet worden.

Anders ist jedoch die Situation der Menschen, die nicht den Weg in ein Lager gefunden haben: Das Kinderhilfswerk UNICEF erklärte am Freitag, "trotz großer Hilfsanstrengung" seien weiterhin Zehntausende Familien von den Wassermassen eingeschlossen. "Die meisten kampieren seit über zwei Wochen im Freien - ohne ausreichende Nahrung, sauberes Wasser und medizinische Hilfe", sagte der Sprecher von UNICEF Deutschland, Rudi Tarneden. Mehrere deutschen Hilfsorganisationen haben zu Spenden für die Flutopfer in Bihar aufgerufen.

Auslöser der Katastrophe war ein Dammbruch im Nachbarland Nepal

Auslöser der Katastrophe war nach Angaben des Innenministeriums in Neu Delhi ein Dammbruch im benachbarten Nepal, wo der Kosi entspringt. Dadurch habe der Strom seine Fließrichtung um etwa 120 Kilometer in Richtung Osten verändert und bewohnte Gebiete im Südosten Nepals und in Bihar überflutet, die normalerweise selbst während des Monsuns nie überschwemmt werden. "Die Menschen hier sind vollkommen unvorbereitet auf solch eine Situation", sagte Stefan Bihl von Caritas International. Bislang starben in Bihar, einem der ärmsten Bundesstaaten Indiens, mehr als 100 Menschen.

Der Monsun in Südasien beginnt in der Regel im Juni und dauert bis Ende September. Nach offiziellen Angaben kamen in Indien bei den Überschwemmungen in diesem Jahr landesweit bereits mehr als 1800 Menschen ums Leben. Im vergangenen Jahr starben etwa 3000 Menschen.

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