Ärzte Zeitung, 27.10.2008

Mollige Platzhirschkuh gegen schlankes, scheues Reh

Neue Sat1-Arztserie bietet Alternative zu Schwarzwald- und Bergdoktoren / Zwei Kolleginnen in Frankfurter Krankenhaus im Dauerkonflikt

FRANKFURT/MAIN (Smi). Sie ist die übergewichtige Cousine von Dr. House: als Ärztin genial, als Mensch eine Katastrophe. Mit Dr. Susanne Molberg, Neurologin am Frankfurter Klinikum West, gibt es eine Alternative zu den hiesigen Schwarzwald- und Bergdoktoren.

Molly und Karl: Susanna Simon (links) ist Dr. Carlotta Edelhardt (Karl), Sabine Orléans ist Dr. Molly.

Molly und Karl: Susanna Simon (links) ist Dr. Carlotta Edelhardt (Karl), Sabine Orléans ist Dr. Molly.

Foto:dpa

"Dr. Molly & Karl" heißt die neue Ärzte-Serie, die der Privatsender Sat1 donnerstags um 21.15 Uhr ins Quoten-Rennen schickt. Darin geben Sabine Orléans (Dr. Molly) und Susanna Simon (Karl) ein traumatisiertes Traumpaar, das sich von der ersten Folge an bekriegt. Der molligen, sozial inkompetenten Platzhirschkuh wird ein scheinbar scheues Reh zur Seite gestellt, die schlanke und hübsche Psychologin Dr. Carlotta Edelhardt, die fortan nichts zu lachen hat.

Schon bei der Vorstellung weist ihr Dr. Molly den Weg: "Mein Name ist Bye-bye-Psychotante. Ich hier, du weg!" Carlotta jedoch nimmt den Kampf an. Sie erträgt, dass ihre Kollegin sie fortwährend "Karl" nennt, und bricht auch nicht in Tränen aus, wenn Molly unverschämt und verletzend wird: "Ja, Ihre Brüste sprechen zu mir. Wir sind zu zweit, alleinstehend und kinderlos. Wir hängen hier nur so rum."

Eine derart fiese Kollegin wie Dr. Molberg kann auf Dauer natürlich nur bestehen, wenn sie durch keinen kompetenteren Arzt zu ersetzen ist. So rettet sie in der ersten Folge einem zehnjährigen Jungen das Leben, obwohl der aufgrund eines seltenen Hirntumors düsterste Prognosen hat. Für sie, die sich selbst einen IQ von 164 attestiert, eine coole Nummer. Selbstzweifel quälen sie nie.

Was Dr. Molly vom Konkurrenz-Serienhelden Dr. House unterscheidet, hängt wohl mit ihrem Gewicht zusammen. Anders als ihr Kollege, dessen Spitzen elegant ins Ziel treffen, walzt sie durch die Klinik und lässt dabei nichts stehen. Das macht sie berechenbar. Spritzige Dialoge und überraschende Drehbucheinfälle können hier helfen. Davon gab es in der ersten Folge noch zu wenige.

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