Ärzte Zeitung online, 05.11.2008

Busunglück mit 20 Toten - Leichen sind noch nicht identifiziert

HANNOVER (dpa). Es ist das verheerendste Busunglück in Deutschland seit mehr als 15 Jahren: Auf der Autobahn 2 bei Hannover geriet am Dienstagabend ein Reisebus in Brand - 20 Menschen starben in dem Flammeninferno, zwölf Passagiere im Alter zwischen 45 und 80 Jahren sowie der Fahrer konnten sich zum Teil schwer verletzt retten.

   Viele der meist älteren Fahrgäste waren offenbar gehbehindert, sie konnten nicht mehr rechtzeitig aus dem brennenden Fahrzeug heraus. Aus dem Wrack wurden Rollatoren getragen. "Die Leichen sind noch im Buswrack und nicht identifiziert", sagte der Sprecher der Polizei Hannover, Stefan Wittke am Mittwochmorgen.

Erst bei Tageslicht sollten die bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Opfer geborgen und obduziert werden. "Anschließend nehmen Kriminaltechniker den Unglücksbus unter die Lupe", sagte Wittke.

Der Reisebus eines hannoverschen Unternehmens war am Dienstagabend auf der Rückfahrt von einer Kaffeefahrt ins Münsterland. Wenige Kilometer vor dem Ziel endete die fröhliche Fahrt in der Tragödie. Die Reisegruppe stammt laut Polizei aus der Region Hannover.    

Ursache des verheerenden Brandes war möglicherweise eine Zigarette

Der Brand war nach Polizeiangaben in der Toilette des Busses ausgebrochen. Augenzeugen hatten von Rauchentwicklung in der WC-Kabine berichtet. Als die Toilettentür geöffnet wurde, schoss eine Stichflamme aus dem kleinen Raum ins Fahrzeuginnere. Anschließend breitete sich das Feuer rasend schnell aus. Möglicherweise hatte ein Passagier heimlich auf der Toilette geraucht.

Einen technischen Defekt schloss die Polizei aus. "Das muss in Windeseile passiert sein. Das ist völlig unverständlich, aber das müssen die weiteren Untersuchungen klären", sagte der Leiter des Zentralen Verkehrsdienstes Hannover, Uwe Hollstein.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) äußerte sich noch am Dienstagabend tief erschüttert über das Busunglück. "Es muss jetzt sehr sorgfältig untersucht werden, wie es zu diesem Unglück kommen konnte", sagte der Minister laut einer Mitteilung. Auch müsse geprüft werden, ob Sicherheitsbestimmungen eingehalten wurden, und ob diese verschärft werden müssen.

Mehr als 150 Feuerwehrleute und Polizisten waren im Einsatz. Die A 2 war bis in den frühen Morgen gesperrt. Die Ost-West-Verbindung zwischen Hannover und Berlin gilt als eine der unfallträchtigsten Autobahnstrecken Deutschlands. Immer wieder kommt es dort zu folgenschweren Unglücken. Der Unfall war das schwerste Busunglück seit September 1992. Damals starben bei Donaueschingen im Schwarzwald 21 Menschen.

   Für Angehörige hat die Polizei ein Notfalltelefon eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0800-7313131 können Informationen eingeholt werden. Um 11.00 Uhr will die Polizei Hannover den Stand der Ermittlungen auf einer Pressekonferenz bekannt geben.

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