Ärzte Zeitung online, 05.11.2008

Obama erster schwarzer US-Präsident - Abstimmung auch über Sterbehilfe und Abtreibung

WASHINGTON (dpa). Barack Obama wird der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Außer den Präsidenten-Wahlen wurde in einigen US-Staaten auch über Abtreibung und Sterbehilfe abgestimmt.

"Der Wandel ist nach Amerika gekommen", sagte der 47 Jahre alte demokratische Senator Barack Obama in seiner Siegesrede vor Hunderttausenden jubelnden Menschen am späten Dienstagabend (Ortszeit) in seiner Heimatstadt Chicago. Dies ist "unsere Zeit, um den amerikanischen Traum wieder zu beleben".

Sein republikanischer Gegner John McCain hatte die Niederlage kurz zuvor in Phoenix im Bundesstaat Arizona eingestanden: "Das amerikanische Volk hat gesprochen und es hat klar gesprochen." McCain und US-Präsident George W. Bush gratulierten in Telefonaten dem Sieger und nannten die Wahl historisch.

In den USA wird der Präsident nicht direkt, sondern durch ein Wahlmännergremium gewählt, das sich aus Vertretern der einzelnen Bundesstaaten zusammensetzt. Diese stimmen traditionell entsprechend dem Ergebnis in ihren Staaten. Der Gewinner eines Bundesstaates erhält jeweils alle zu vergebenden Wahlmännerstimmen. Die Wahlmänner stimmen am 15. Dezember ab, der neue Präsident wird schließlich am 20. Januar ins Amt eingeführt.

In den US-Staaten South Dakota und Colorado wird es kein Abtreibungsverbot geben

Im US-Bundesstaat South Dakota wird es kein Abtreibungsverbot geben. Bei einer Volksabstimmung am Dienstag sprach sich die Mehrheit der Wähler nach ersten Hochrechnungen gegen eine Neuregelung aus, die den Schwangerschaftsabbruch nur im Fall von Vergewaltigung, Inzest und bei akuter Lebensgefahr der Mutter zugelassen hätte.

In Colorado scheiterte ein noch weiter gehender Entwurf, der das Lebensrecht mit dem Moment der Befruchtung definiert hätte. Befruchtete menschliche Eier sollten demnach als "Person" betrachtet werden.

Die Annahme dieses Referendums hätte jede Abtreibung gesetzeswidrig gemacht. Gegner des mit einer klaren Mehrheit von rund 75 Prozent der Stimmen abgelehnten Entwurfs befürchteten als Folge auch ein Verbot bestimmter Methoden der Empfängnisverhütung.

Im US-Staat Washington können unheilbar Kranke von Ärzten Sterbehilfe erhalten

Unheilbar kranke Menschen im US-Staat Washington können künftig von Ärzten Sterbehilfe erhalten. Die Wähler im Nordwesten der USA stimmten am Dienstag für ein Referendum, das ärztliche Hilfe beim Selbstmord legalisiert. Damit ist Washington nach dem Nachbarstaat Oregon der zweite US-Bundesstaat, der die Sterbehilfe erlaubt. In Oregon wurde dies bereits 1994 gebilligt.

Unheilbar Kranke, die nur noch maximal sechs Monate zu leben haben, werden nun mit ärztlich verschriebenen Medikamenten sterben dürfen. Sie müssen die tödliche Dosis selbst einnehmen, der Arzt darf dabei nicht helfen. Zudem muss der Kranke seinen Wunsch zu sterben den Ärzten und anderen Zeugen mündlich und auch schriftlich mitteilen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Offenbar liegt‘s am Bauchspeck

Wer genetisch bedingt schon als Kind zu Übergewicht neigt, hat auch ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes. mehr »

Jahrhundert-Chance oder Anmaßung?

Darf der Mensch alles, was er kann? Wieder einmal stellt sich diese Frage, seit in den USA erfolgreich Embryonen-DNA verändert wurde. Zwei Redakteure der "Ärzte Zeitung" diskutieren das Für und Wider. mehr »

Ärzte in Barcelona haben schnell reagiert

Ärzte – vor allem Chirurgen – und Pflegefachkräfte in Barcelona und Tarragona standen nach den Terroranschlägen sofort parat. Zwölf Menschen kämpfen jedoch noch immer um ihr Leben. mehr »