Ärzte Zeitung online, 10.11.2008

Arzt und Mutter in Ägypten wegen Mädchenbeschneidung angeklagt

KAIRO (dpa). In Ägypten soll eine Mutter vor Gericht gestellt werden, weil sie ihre 14 Jahre alte Tochter zur Beschneidung gezwungen hat. Auch der Arzt, der die Operation durchgeführt habe, sei wegen Genitalverstümmelung angeklagt worden, berichtete die Kairoer Tageszeitung "Al-Masry Al-Yom" am Montag. Das Mädchen aus der Oasenstadt Fajum südlich von Kairo hatte nach der Operation so viel Blut verloren, dass es in ein Krankenhaus gebracht werden musste.

Obwohl die auf afrikanische Traditionen zurückgehende Mädchenbeschneidung in Ägypten seit sechs Jahren offiziell verboten ist, wird sie noch fast überall praktiziert. Grund dafür, dass sich diese brutale Sitte so hartnäckig hält, ist auch die Weigerung einiger islamischer Religionsgelehrter, sich davon zu distanzieren. Auf der arabischen Halbinsel, wo Mohammed, der Prophet der Muslime, lebte, ist die weibliche Genitalverstümmelung unbekannt.

Laut einer aktuellen Studie der Cleveland Clinic Foundation werden trotz des Verbotes immer noch rund 85 Prozent aller Mädchen in Ägypten "beschnitten". Viele Eltern wollen damit den Sexualtrieb ihrer Töchter bremsen, damit sie auf jeden Fall als Jungfrauen in die Ehe gehen. Ein weiteres Argument, das häufig vorgebracht wird, sind die angeblich schlechten Aussichten auf dem Heiratsmarkt für "unbeschnittene" Mädchen.

Das Gesetz, das die Mädchenbeschneidung verbietet, war im vergangenen Juni verschärft worden. Ärzten, die diese Operation durchführen, drohen nun Geldstrafen oder bis zu zwei Jahre Haft.

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