Ärzte Zeitung online, 01.12.2008

In den Fängen der Terroristen - ein Klinikangestellter berichtet

NEU DELHI (dpa). Nach dem Ende des Terrordramas von Bombay hat ein 49-jähriger Inder am Sonntag darüber berichtet, wie er und hunderte andere Menschen knapp dem Tod entronnen sind. Das Eingreifen der indischen Beamten habe Hunderten von Menschen in der Klinik, in der er als Liftboy arbeite, das Leben gerettet, sagte Chandrakant Tikhe der Nachrichtenagentur IANS in einem Interview.

Die Kinder- und Frauenklinik Cama war am Mittwochabend eines der Angriffsziele der Terroristen. Kurz nach der Schießerei am Hauptbahnhof stürmten zwei Angreifer in das Gebäude.

Die beiden zwischen 22 und 25 Jahre alten Angreifer seien mit Kalaschnikows und Handgranaten bewaffnet gewesen, sagte der verletzte Tikhe von seinem Krankenlager aus. Sie seien durch den Hintereingang eingedrungen, nachdem sie dort zwei Wachleute erschossen hätten.

"Als sie in den sechsten Stock hoch liefen, entdeckten sie mich. Und einer, der aussah wie ein Nepalese, fragte mich barsch auf Hindi, ob ich Hindu oder Muslim sei. Als ich sagte "Hindu", hielt er mir die Waffe vor, befahl mir, mich umzudrehen und nahm mir das Handy aus der Hemdtasche", berichtete Tikhe. Dann sollte er die Beiden durch das Krankenhaus führen.

"Ich versuchte, mich zu widersetzen, aber sie drohten, mich umzubringen, da gab ich nach und stieg vor ihnen die Treppe hinunter." Nur Augenblicke später seien ihnen ein Polizeioffizier und fünf weitere Beamte entgegengekommen. Denen habe er auf Marathi (westindische Sprache) zugeflüstert, dass er ein Angestellter sei, und ihnen per Handzeichen zu verstehen gegeben, er werde bedroht. Der Offizier habe nur gesagt, er solle sich ducken. Dann feuerten die Beamten auf die Terroristen.

"Die warfen eine Handgranate in unsere Richtung und rannten hoch, wo sie sich auf der Terrasse versteckten. Sie warfen noch zwei Handgranaten. Die Polizisten schossen weiter, obwohl sie schwer verletzt waren", fügte er hinzu. "Ich lag schmerzgekrümmt neben den verletzten Beamten, deren Chef blutverschmiert war, aber trotz seiner Verletzungen weiterkämpfte." Er habe die Angreifer schließlich in die Flucht geschlagen. Vermutlich seien sie außen an einer Leitung hinuntergeklettert.

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