Ärzte Zeitung online, 09.12.2008

UN-Organisationen warnen vor Versorgungskrise in Nordkorea

SEOUL (dpa). Der Bevölkerung im kommunistischen Nordkorea steht nach Einschätzung von UN-Organisationen wegen der Versorgungskrise ein weiteres Jahr harter Entbehrungen bevor. Rund 40 Prozent der Bevölkerung (knapp neun Millionen Menschen), vor allem Kinder, schwangere und stillende Frauen sowie Ältere, bräuchten dringend Hilfe, berichteten die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und das Welternährungsprogramm (WFP) am Montag.

"Die Aussichten für nächstes Jahr sind düster", schreibt der Leiter des Globalen Informations- und Frühwarnsystems der FAO, Henri Josserand.

Es gebe in Nordkorea ein Defizit an Grundnahrungsmitteln, das nur zum Teil durch Importe und Auslandshilfen aufgefangen werden könne. Trotz besserer Wetterbedingungen in diesem Jahr und der harten Arbeit der Landwirte sowie vieler Städter sei der Mangel an Düngemitteln und Kraftstoff nicht überwunden worden. "Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigen die Befürchtungen des WFP, dass Millionen von Haushalten in Nordkorea ein weiteres Jahr der Nahrungsmittelknappheit erleiden werden", schreibt der WFP-Landesvertreter für Nordkorea, Torben Due.

Das WFP hatte schon im Oktober vor einer Hungersnot mit Millionen von Betroffenen gewarnt. Die geringe Produktion der nordkoreanischen Landwirtschaft ist den Angaben zufolge auf den langfristigen Rückgang der Fruchtbarkeit der Böden, extreme Wetterbedingungen sowie strukturelle Probleme wie der Beschränkung von Marktaktivitäten zurückzuführen. In den 90er Jahren hatte eine Hungersnot in dem weitgehend abgeschotteten Land Schätzungen zufolge hunderttausenden Menschen das Leben gekostest.

Nach einer zweiwöchigen Untersuchung in Nordkorea im Oktober schätzt das WFP, dass die gesamte Nahrungsmittelproduktion für das Wirtschaftsjahr November 2008 bis Oktober 2009 bei 4,21 Millionen Tonnen liegen wird. Daraus ergebe sich ein Getreidedefizit von 836 000 Tonnen. Die staatlichen Zuteilungen - die Hauptversorgungsquelle für 70 Prozent der etwa 23 Millionen Nordkoreaner - würden sich weiter verringern. Die Familien hätten die Zahl der täglichen Mahlzeiten bereits verringert.

In Peking kamen unterdessen nach fünfmonatiger Pause Unterhändler aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan zu einer neuen mehrtägigen Gesprächsrunde über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms zusammen.

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