Ärzte Zeitung online, 18.12.2008

EU-Parlament stimmt für mehr Sicherheit bei Kinderspielzeug

STRAßBURG (dpa). Kinderspielzeug in der EU wird nach dem Willen des EU-Parlaments in Zukunft noch sicherer. Künftig sollen bei der Herstellung von Spielzeug - egal ob Teddybären, Autos oder Puppen - Stoffe verboten werden, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen, oder das Erbgut zu schädigen. Auch allergieauslösende Duftstoffe, Schwermetalle und gefährliche Chemikalien sollen tabu sein.

Die Abgeordneten verabschiedeten am Donnerstag in Straßburg eine entsprechende Überarbeitung der 20 Jahre alten EU-Spielzeugrichtlinie. Außerdem sollen die Warnhinweise auf den Verpackungen verbessert werden. Strengere Vorschriften gelten auch für Einzelteile, die Kleinkinder verschlucken können. Die Richtlinie wird voraussichtlich 2011 in den 27 EU-Staaten in Kraft treten und für importiertes und in der EU produziertes Spielzeug gelten.

"Eine Puppe, die nach Erdbeeren riecht, wird es in Zukunft nicht mehr geben", sagte die SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt. Von den Verboten ausgenommen sind Batterien, Mikrochips oder andere Teile im Inneren des Spielzeugs, mit denen die Kinder nicht in Kontakt kommen.

Zu dem zuvor heftig umstrittenen Überraschungs-Ei sagte der CDU-Abgeordnete und Kinderarzt Peter Liese, er habe noch keinen Fall erlebt, bei dem ein Kind die kleine Figur verschluckt habe. Auf dem Ei sei aufgeführt, dass es für Kinder unter drei Jahre nicht geeignet sei.

Gebhardt bedauerte, dass der geforderte "Spielzeug-TÜV", also eine Kontrolle durch unabhängige Prüfinstitute, nicht durchgesetzt werden konnte. Nach wie vor tragen die Hersteller die Verantwortung dafür, die durch das CE-Zeichen die Sicherheit ihrer Spielsachen selbst zertifizieren können.

Hintergrund sind spektakuläre Rückrufaktionen vor allem von Spielzeug aus China, wo etwa drei Viertel aller in der EU verkauften Spielzeuge hergestellt werden. Allein im vergangenen Jahr wurden in Europa mehr als 400 gefährliche Spielwaren vom Markt genommen. In vielen Fällen wurde eine zu starke Chemikalienbelastung beanstandet.

Aigner fordert schärfere Sicherheitsauflagen für Spielzeug

Die neuen Auflagen der EU für Spielzeug gehen Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nicht weit genug. "Trotz aller bisherigen Bemühungen auf nationaler und europäischer Ebene kann keine Entwarnung in Sachen Spielzeugsicherheit gegeben werden", warnte Aigner am Donnerstag in Berlin. Um Sicherheitsmängel einzudämmen, sei eine Kontrolle durch eine neutrale Stelle nötig, statt auf die Erklärung des Herstellers zu setzen. Sie bedaure die Entscheidung des Europaparlaments für eine neue Spielzeugrichtlinie. Auch die Auflagen für Chemikalien gingen für Duftstoffe und Schwermetalle nicht weit genug. Die Grünen im Bundestag halten die Spielzeugauflagen ebenfalls nicht für ausreichend.

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