Ärzte Zeitung online, 02.02.2009

Reproduktionsmediziner kritisieren Achtlingsmutter

LOS ANGELES (dpa). Die spektakuläre Geburt von Achtlingen in Kalifornien hat eine neue Debatte über künstliche Befruchtung ausgelöst. Dabei wurde die Entscheidung einer sechsfachen Mutter, Achtlinge zur Welt zu bringen, heftig kritisiert.

Die inzwischen namentlich bekannte 33-jährige Frau habe durch eine derart hohe Zahl von Embryonen ihr Leben und das Leben der Babys in Gefahr gebracht, meinen Fruchtbarkeitsexperten. "Jeder Bioethiker und Fruchtbarkeitsspezialist würde zustimmen, dass es unverantwortlich und unethisch ist, so viele Embryonen einzupflanzen", sagte Sara Rosenthal, Bioethikerin an der Universität von Kentucky, dem Sender CNN. "Dies ist ein skandalöser Vorgang, der nicht hätte passieren dürfen."

Die am vergangenen Montag in Kalifornien geborenen sechs Jungen und zwei Mädchen werden nach Angaben der Ärzte mehrere Wochen im Brutkasten verbringen. Zwei der Frühchen mussten anfangs beatmet werden. In den USA waren zuvor erst einmal Achtlinge geboren worden. Eines der Babys war kurz nach der Geburt im US-Staat Texas 1998 gestorben.

Frau hatte entschieden, alle acht Feten auszutragen

Die Mutter der kalifornischen Achtlinge, Nadya Suleman, hatte sich bewusst dafür entschieden, alle Kinder auszutragen. Die Ärzte hatten ihr nahegelegt, einige der Feten abzutreiben. Die Großmutter der Kinder, Angela Suleman, sagte am Samstag der "Los Angeles Times", ihre Tochter hätte "nur noch ein Mädchen mehr" haben wollen. Keiner habe mit so vielen Babys gerechnet.

Die geschiedene Frau wohnt mit ihren zweijährigen Zwillingen und vier weiteren Kindern im Alter von drei bis sieben Jahren im Haus ihrer Eltern. Sie ist an einer Universität als Studentin eingeschrieben. "Ich wünschte, sie wäre Kindergärtnerin geworden", sagte ihre Mutter.

Angela Suleman zufolge wurden alle Kinder durch künstliche Befruchtung mit Hilfe des gleichen Samenspenders erzeugt. Sie machte keine Angaben über die Klinik, in der die Prozedur vorgenommen wurde. Ihre Tochter war in der 30. Woche, als die Frühchen per Kaiserschnitt entbunden wurden.

Sie sei keine schlechte Person, sondern nur "versessen" auf Kinder, nahm Angela Suleman ihre Tochter in Schutz. "Sie liebt Kinder, sie geht gut mit ihnen um, aber offensichtlich hat sie es jetzt übertrieben", räumte die Mutter ein. Ihr Ehemann arbeite im Irak als Übersetzer, um die Familie finanziell zu unterstützen, berichtete die "Times".

Nur zwei Embryonen sollen implantiert werden

Nach den Richtlinien der US-Gesellschaft für Reproduktionsmedizin sollten Patientinnen unter 35 Jahren nicht mehr als zwei Embryonen eingepflanzt werden. Die Organisation setze sich schon lange dafür ein, riskante Mehrlingsgeburten zu unterbinden, sagte der Vorsitzende Dale McClure dem Sender CNN. Der Bioethiker Robert George von der Princeton Universität forderte "professionelle Normen und gesetzliche Regelungen, um Eingriffe zu beschränken, die sehr gefährlich sind".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »