Ärzte Zeitung online, 06.02.2009

Angriff auf Büro des Internationalen Roten Kreuzes in Colombo

COLOMBO (dpa). Radikale Nationalisten haben in Sri Lankas Hauptstadt Colombo gegen die Arbeit des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) protestiert und das Büro der Organisation mit Steinen angegriffen. Nach Angaben des IKRK gingen Fensterscheiben zu Bruch. Mitarbeiter seien nicht zu Schaden gekommen.

Anhänger der Nationalen Freiheitsfront (NFF) warfen der Organisation vor, die tamilischen Rebellen zu unterstützen. Das IKRK fungiere im Nordosten des Landes als "medizinische Abteilung" der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) und verletze damit die notwendige Neutralität, erklärte ein Sprecher der Demonstranten. Daher müsse die Organisation ihre Arbeit einstellen.

Das IKRK wies die Anschuldigungen zurück. Ein Sprecher sagte in Colombo, das Rote Kreuz leiste in Abstimmung mit der Regierung humanitäre Hilfe im Kampfgebiet im Nordosten Sri Lankas.

Dort sollen sich nach Darstellung von Hilfsorganisationen noch etwa 250 000 Zivilisten aufhalten, deren Lage immer schwieriger wird. Hunderte Zivilisten sollen nach LTTE-Angaben bei den heftigen Gefechten zwischen Armee und Rebellen getötet oder verletzt worden sein. Erst am Mittwoch hatte das IKRK das letzte Krankenhaus im LTTE-Gebiet nach mehrfachem Beschuss evakuiert (wir berichteten). Die Armee wirft der LTTE vor, Zivilisten die Flucht zu verwehren. Die LTTE kritisiert, das Militär beschieße die Gegend ohne Rücksicht auf Unbeteiligte.

Die Offensive gegen die LTTE sei keine Bedrohung für die tamilische Zivilbevölkerung im Norden der Insel, erklärte Präsident Mahinda Rajapakse in einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Die Streitkräfte hätten vielmehr den Auftrag, die Menschen von einer "brutalen Terrororganisation" zu befreien, wird Rajapakse in einer Mitteilung des Präsidialamtes zitiert.

Unterdessen setzte die Armee ihre Vormarsch gegen die LTTE fort. Ein Militärsprecher teilte am Freitag mit, Truppen hätten in der Küstenregion Chalai die letzte Basis der See-Tiger, einer marineähnlichen Einheit der LTTE, erobert. Den Angaben zufolge sind die Rebellen damit in einem nur noch 170 Quadratkilometer großen Gebiet an der Nordostküste der Insel eingekesselt.

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