Ärzte Zeitung online, 09.02.2009

"Die Hölle auf Erden" - Mindestens 65 Tote bei Feuer in Australien

SYDNEY (dpa). Bei den verheerenden Bränden im Südosten Australiens haben bislang mindestens 65 Menschen ihr Leben verloren. Das teilten die Behörden des Bundesstaates Victoria am Sonntag mit. Sie befürchten, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen könnte.

Ein Arzt vom Alfred Hospital in Melbourne berichtete, die Straßen in den betroffenen Gebieten seien gesäumt von Autos, die in Panik verlassen wurden. "Man wird vermutlich noch zahlreiche Menschen finden, viele von ihnen dürften nicht überlebt haben", vermutete er.

Zahlreiche der etwa 400 Brände waren außer Kontrolle. 30 000 freiwillige Helfer und 37 Löschflugzeuge kämpften gegen das Feuer. Jetzt sollen die Streitkräfte eingreifen.

Starke Winde und große Hitze um die 45 Grad treiben seit Freitag die Flammen voran, die im dürren Holz und Gestrüpp reiche Nahrung finden. Die oft absichtlich gelegten Brände zerstörten hunderte Häuser. Marysville nördlich von Melbourne sei fast von der Landkarte verschwunden, berichteten australische Medien. Von den Häusern der rund 1000 Einwohner stünde nur noch eine Hand voll, berichtete eine Reporterin. In anderen Städten sehe es nicht viel besser aus. Eine Frau sagte, ihre Wohnort sei nicht mehr wiederzuerkennen. Explodierende Gasflaschen verschärften zusätzlich die Lage.

Vom Feuer besonders betroffen sind Gebiete nördlich von Melbourne im Bundesstaat Victoria. "Dies ist eine absolute Tragödie für den Bundesstaat und wir glauben, dass die Zahlen noch höher werden könnten", erklärte der stellvertretende Polizeichef des Bundesstaates Victoria, Kieran Walshe. "Da draußen tobt die Hölle auf Erden", sagte Victorias Ministerpräsident John Brumby. "Das Ausmaß der Katastrophe übertrifft jede Vorstellung. Einige der Feuer waren einfach nicht zu kontrollieren", sagte er. Die Flammen seien teilweise vier Stockwerke hoch gewesen. Der australische Premierminister Kevin Rudd reiste nach Victoria, um sich selbst ein Bild von den Zerstörungen zu machen.

Nach Angaben des staatlichen Meteorologen Terry Ryan sind die Feuer so stark, dass sie ihr eigenes Wetter schaffen: "Wir nennen das einen Pyrokumulus." Dabei reißt die heiße Luft Asche mit nach oben. Die entstehenden dunklen Wolken erinnern an einen Gewittersturm.

In Melbourne wurden Temperaturen von 46 Grad gemessen. Der Wind trieb Rauch auch über Australiens größte Stadt Sydney. Dort herrschten an drei aufeinanderfolgenden Tagen Temperaturen von mehr als 40 Grad - ein Hitzerekord. Um weitere mutwillig gelegte Brände zu verhindern, schlossen die Behörden mehrere Nationalparks. Die Behörden fürchten nun, dass die Feuer der vergangenen Tage gravierendere Folgen haben könnten als der "Aschermittwoch" von 1983, als 75 Menschen starben.

Im Nordosten kämpften die Helfer dagegen nach starken Regenfällen gegen die schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Große Teile von Queensland - rund eine Million Quadratkilometer - sind betroffen. Dutzende Häuser sind zerstört. Weil viele Straßen überflutet sind, können Rinderherden nicht mehr mit Futter versorgt werden; damit sind zehntausende Tiere in Gefahr. Ein weiterer Regentag könnte dazu führen, dass die Stadt Ingham evakuiert werden muss, hieß es. Bürgermeister Pino Giandomenico sprach von einem "Desaster".

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