Ärzte Zeitung online, 10.02.2009

Italienische Koma-Patientin tot - Langer Streit um Sterbehilfe

ROM (dpa). Die italienische Koma-Patientin Eluana Englaro ist tot. Das teilte am Montagabend das Altersheim in Udine mit, in das die 38-Jährige in der vergangenen Woche zum Sterben gebracht worden war. Das Schicksal der Frau, die seit 17 Jahren im Wachkoma gelegen hatte, hatte in Italien einen jahrelangen Streit um Sterbehilfe ausgelöst.

Die konservative Regierung von Silvio Berlusconi hatte mit einem Gesetz die Sterbehilfe für Englaro verhindern wollen. Auch der Vatikan hatte immer wieder gegen "Euthanasie" argumentiert.

"Ja, sie hat uns verlassen", bestätigte der Vater der Koma-Patientin, der seit Jahren dafür gekämpft hatte, dass die künstliche Ernährung seiner Tochter eingestellt werden konnte. Der Vater sagte noch, er wolle jetzt nur allein sein. In dem Altersheim in Udine war der Sterbehilfeprozess am Freitag eingeleitet worden. Die Mediziner hatten den Tod der 38-Jährigen für die nächsten beiden Wochen vorausgesagt. Eine Autopsie der Leiche ist angeordnet worden.

Die vom höchsten Gericht genehmigten Sterbehilfe-Maßnahmen hatte die Regierung Berlusconi nicht akzeptieren wollen. Berlusconi hatte zunächst versucht, mit einem Eildekret gegen das Abstellen der Geräte vorzugehen. Als Staatspräsident Giorgio Napolitano sich gegen diesen Weg aussprach, brachte der Regierungschef einen Gesetzesentwurf auf den Weg. Dieser sollte bis kommenden Donnerstag abgestimmt sein (wie berichtet). Der Regierungschef sprach nun von einem "tiefen Schmerz". Es sei seiner Regierung nicht möglich gewesen, "ein Menschenleben zu retten."

Napolitano hatte sich am Freitag strikt geweigert, das Eildekret der Regierung Berlusconi zu billigen, die damit den Sterbehilfe-Prozess für Englaro in letzter Minute stoppen wollte. Berlusconi brachte daraufhin noch am selben Abend einen Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe aufs Tapet, der jetzt so schnell wie möglich Gesetz werden soll, "um Eluana zu retten", wie die Regierung erklärte.

Eluana war 1992 nach einem Autounfall ins Koma gefallen. Ihr Vater hatte jahrelang vergeblich darum gekämpft, die künstliche Ernährung seiner Tochter zu stoppen. Im vergangenen November hatte dann das oberste italienische Berufungsgericht in letzter Instanz bestätigt, dass die künstliche Ernährung der Frau eingestellt werden könne.

Lesen Sie dazu auch:
Berufungsgericht in Südkorea bestätigt Entscheidung für Sterbehilfe

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