Ärzte Zeitung online, 10.02.2009

Berufungsgericht in Südkorea bestätigt Entscheidung für Sterbehilfe

SEOUL (dpa). In Südkorea hat ein Berufungsgericht auch in zweiter Instanz Sterbehilfe für eine im Koma liegende 76-jährige Patientin bewilligt. Im vergangenen November hatte erstmals ein Gericht in dem ostasiatischen Land angeordnet, die lebenserhaltenden Geräte an einem Menschen auf Wunsch der Familie, aber ohne vorliegende Willensäußerung des Patienten, abzustellen.

"Wenn ein Patient an einer unheilbaren Krankheit leidet und keine Hoffnung auf Genesung besteht und sich der Zustand des Patienten durch die Behandlung im Krankenhaus nicht verbessert, ist Sterbehilfe zulässig", heißt es in einer Mitteilung des Gerichts in Seoul vom Dienstag. Im konkreten Fall war die Frau vor einem Jahr nach einem Hirnschaden ins Koma gefallen.

Unter Berücksichtigung der persönlichen Rechte der Frau habe das Gericht entschieden, dass die medizinische Behandlung eingestellt werde, sagte der Vorsitzende Richter laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap. "Es ist nicht unmöglich, den Willen der Patientin nachzuvollziehen, auch wenn sie diesen nicht in schriftlicher Form geäußert hat." Er warnte vor dem möglichen Missbrauch der gerichtlichen Entscheidung in anderen Fällen. Aktive Sterbehilfe bleibt in Südkorea verboten.

Die Familie der Patientin hatte eine Klage auf Sterbehilfe eingereicht, nachdem sich die behandelnden Ärzte geweigert hatten, sie sterben zu lassen. Die Kinder hatten argumentiert, dass ihre Mutter schon immer dagegen gewesen sei, schwer kranke Menschen ohne Überlebenschance mit Hilfe von Maschinen am Leben zu erhalten. Ob das Severance-Krankenhaus in Seoul, in dem die Frau operiert worden war, Revision gegen das Urteil einlegen will, war zunächst unklar.

Lesen Sie dazu auch:
Italienische Koma-Patientin tot - Langer Streit um Sterbehilfe

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