Ärzte Zeitung online, 12.02.2009

Erfolgreiches Projekt: Marburger Studenten lernen von Simulanten

MARBURG (eb). "Medizin nur aus Büchern zu lernen ist so, als würde man ohne Seekarte zur See fahren", sagt Professor Matthias Rothmund. Deswegen setzt der Dekan der Marburger Philipps-Universität auf praktische Ausbildung: Seine Studenten können seit dem Wintersemester an interaktiven Puppen und Geräten verschiedene Untersuchungstechniken üben.

Dekan Professor Matthias Rothmund lernt den Trainingsparcour von Maris kennen und übt das endoskopische Operieren unter Videokontrolle.

Foto: Philipps-Universität Marburg

Bei den Studenten kommt das Marburger interdisziplinäre Skills-Lab, kurz Maris, an. Das zeigen schon die Teilnehmerzahlen: Im laufenden Wintersemester wurde Maris etwa 1050-mal zu aufgesucht. Fast 100 Gruppen aus den Fachgebieten Innere Medizin, Chirurgie und Urologie haben das Skills-Lab besucht. Trainiert wurden dabei zum Beispiel das Legen von Kathetern oder Naht- und Knotentechniken.

In knapp 30 weiteren Kursen konnten die Studenten mit Simulationspatienten üben. Der Vorteil der Freiwilligen, die Patienten mit ausgewählten Krankheiten mimen, ist die direkte Rückmeldung für den Studenten. 20 solcher Simulationspatienten konnte die Universität bislang rekrutieren. Im kommenden Semester soll das Trainingsangebot noch ausgeweitet werden. Etwa 1200 Studenten sollen Maris dann nutzen können. Freiwillige, die sich als Simulationspatienten zur Verfügung stellen sind gerne willkommen. Angaben der Universität zufolge winkt eine Aufwandsentschädigung von 12 Euro pro Stunde (Eva-Christina Stibane; Telefon: 06421-28-25052; E-Mail: stibane@staff.uni-marburg.de).

Das Projekt Maris basiert auf der Studenteninitiative "Ruf nach mehr Praxis". Der Studiendekan Professor Klaus Jochen Klose lobte das Engagement: Die Studenten "haben Druck gemacht, damit ihre Studienbeiträge auch für ihre Belange eingesetzt werden." Allein für Ausstattung und Tutoren seien bislang etwa 180 000 Euro investiert worden. Hinzu kämen Kosten für Baumaßnahmen und wissenschaftliche Mitarbeiter.

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