Apotheker plus, 06.03.2009

Pharmazie im Kopf und Musik im Blut

Am Anfang stand ihre Liebe zum Swing, als sich 13 Apotheker an einem verschneiten Märztag bei Fulda trafen. Entstanden ist daraus eine Bigband, die bundesweit konzertiert.

Von Pete Smith

Die "Deutsche Apotheker Bigband" bei einem Auftritt 2005 in Stadtbergen.

Foto: privat

Es ist einer der letzten Wintertage im März 2000, als sich 13 Apotheker im kleinen Ort Mackenzell bei Fulda treffen. Schneeflocken wirbeln durch die Gassen, während aus dem Gasthof "Zum Ulmenstein" eines der bekanntesten Jazzstücke tönt. "Summertime" klingt in der Interpretation der swingenden Apotheker zwar "etwas schräg, dafür aber um so inbrünstiger", erinnert sich Dr. Eckard Schleiermacher, Inhaber der Flora-Apotheke in Klingenberg bei Dresden. Der sächsische Apotheker hat das Treffen damals arrangiert. Seinem Aufruf folgte schon bald die Gründung der "Deutschen Apotheker Bigband", einem Ensemble, dem heute etwa 25 Musiker angehören, die in wechselnden Besetzungen bundesweit konzertieren.

Schon als Jugendlicher wurde kein Jazzkonzert ausgelassen

Schon als Jugendlicher habe er sich für Jazz begeistert und Bandleader wie Count Basie und Duke Ellington verehrt, erzählt Eckard Schleiermacher im Gespräch mit ApothekerPlus. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der Pianist und Berufsmusiker wurde, spielte der angehende Apotheker damals noch kein Instrument. Stattdessen lebte er seine Leidenschaft aus, indem er kaum ein Jazzkonzert in der Nähe ausließ.

Als Schleiermachers ältester Sohn von der Grundschule ins Gymnasium wechselte, überlegten Vater und Sohn, ob sie nicht gemeinsam ein Instrument lernen sollten. Gesagt, getan. In ihrem Heimatort sprachen sie bei einem Saxofonlehrer vor. Während der Jüngere schon bald so gut spielte, dass er aufs Konservatorium und später zum Jazzinstitut nach Berlin wechselte, begann der Ältere, in Bigbands mitzuspielen. Bis er auf die Idee verfiel, ein eigenes Ensemble zu gründen ...

"Bei 20 000 bis 30 000 Apothekern in Deutschland sollte es statistisch gesehen doch so viele Bläser geben, dass man daraus eine Bigband formen könnte", dachte sich der sächsische Apotheker. Eine Bigband benötigt vier bis fünf Saxofone, ebenso viele Trompeten und Posaunen, dazu Klavier, Schlagzeug, Bass und Gesang. Ein Aufruf in zwei Zeitungen brachte schon bald genügend begeisterte Kollegen zusammen, die sich schließlich an dem denkwürdigen Wochenende in der Rhön trafen.

Der einzige Nicht-Apotheker der Bigband ist der gebürtige Weißrusse Boris Kossukhin. Er dirigiert das Ensemble. Kossukhin ist studierter klassischer Klarinettist und hat früher als Soldat das Orchester der Russischen Eismeerflotte in Murmansk dirigiert.

Ihre Feuerprobe hatte die Bigband im Jahr ihrer Gründung auf dem Deutschen Apothekertag in München. Bei einem Gesellschaftsabend im Hofbräuhaus traten die Musiker als Vorgruppe der bayrischen Kultband "Biermösl Blosn" auf. "Mit 13 Titeln in der Mappe und weichen Knien ging's auf die Bühne", erinnert sich Schleiermacher. "Die anwesende Kollegenschaft hatte wohl Schlimmeres befürchtet: Die Band wurde regelrecht bejubelt!"

Seither trifft sich die "Deutsche Apotheker Bigband" jährlich zu zwei bis drei öffentlichen Auftritten. Zu dem harten Kern stoßen je nach Anlass verschiedene Musiker, wie es Beruf und Familie eben erlauben. Wenn nötig werden die Reihen mit "Apothekern ehrenhalber" geschlossen, wie Schleiermacher verrät; so wurde auch einmal auf Dresdner Musikstudenten zurückgegriffen, um einen Auftritt im Saarland abzusichern.

Das Repertoire ist auf über 50 Songs angewachsen

Das Repertoire der Apotheker-Bigband ist im Laufe der Jahre ständig gewachsen und besteht heute aus über 50 Songs. Seitdem die Michelbacher Apothekerin Ulla Scheuermann dabei ist, die schon während des Studiums in Jazzbands gesungen hat, habe die Band eine neue Qualität erhalten und das Programm sei dadurch abwechslungsreicher geworden, findet Schleiermacher.

Ihr ereignisreichstes Jahr erlebten die swingenden Apotheker 2005, als sie insgesamt acht Mal auftraten und ihre erste CD produzierten: "Fever". Der dazu nach dem Homburger Jazzfrühschoppen angereiste Studiotechniker vom Jazz-Label Mons-Record zeigte sich überrascht von der Professionalität der Hobby-Musiker, die elf Titel an nur einem Nach- und einem Vormittag aufgenommen haben.

Das Honorar der Auftritte wird regelmäßig für wohltätige Zwecke gespendet, etwa für die Telefonseelsorge oder den Kinderschutzbund. Das nächste Konzert soll am 29. März in Kassel stattfinden, geplant ist auch ein Auftritt am 23. August im hessischen Spannenberg. Ein großes Ereignis steht 2010 an: das zehnjährige Jubiläum der "Deutschen Apotheker Bigband". Dann werden Schleiermacher und seine Mitstreiter ganz besonders im "Fever" sein.

Ein Gruss an Ulla

Auf der CD "Fever" zu hören sind Stücke wie "Big Spender", "Summertime" und natürlich der Titelsong "Fever". Als kleinen Gruß an Gesundheitsministerin Ulla Schmidt will man den Titel "Lady Be Good" verstanden wissen - das komme auch bei Konzerten immer wieder gut an. Bezug: Dr. Eckard Schleiermacher, Bahnhofstr. 3a, 01738 Klingenberg, Tel.: 0 352 02-20 43, E-Mail: eckard.schleiermacher@freenet.de, Preis 15 s plus 1,50 s Versand

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