Ärzte Zeitung online, 11.03.2009

Bestürzung und Trauer - Amoklauf in Schule stürzt Winnenden ins Chaos

WINNENDEN (dpa). Tatort Albertville-Realschule in der schwäbischen Kleinstadt Winnenden nordöstlich von Stuttgart: Hunderte Polizeifahrzeuge, schwer bewaffnete Beamte sowie Sondereinsatzkräfte und unzählige Rettungsdienstfahrzeuge säumen den Zugang zu der Schule in der gut 27 000 Einwohner zählenden Stadt. An der Schule mit rund 580 Schülern ist am Mittwochvormittag über die jungen Menschen ein Alptraum hereingebrochen.

Fassungslos am Fenster: Schüler, die die Gewalttat überlebt haben.

Foto: dpa

Ein früherer Mitschüler geht während des Unterrichts gezielt in zwei Klassenräume und beginnt, um sich zu schießen. Am Ende des Amoklaufs sind 16 Menschen tot, darunter mindestens neun Schüler und der Täter selbst.

Der 17-Jährige kommt im rund 40 Kilometer entfernten Wendlingen im Kreis Esslingen bei einer Schießerei ums Leben. Zwei Passanten werden dabei getötet und zwei Polizeibeamte verletzt.

Rund um den Tatort stehen die Menschen mit verzweifelten und fassungslosen Blicken und versuchen die schreckliche Situation zu erfassen. Anwohner beobachten aus ihren Fenstern die unwirkliche Szenerie. "Laufen sie weiter! Wohin wollen Sie!" Die Polizeibeamten haben alle Hände voll zu tun, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Hoch oben am Himmel dröhnen die Hubschrauber der Polizei, das Sirenengeheul der Einsatzfahrzeugen unterbricht immer wieder die Stille. Die Stadt Winnenden, in der das Drama passierte, ist weiträumig abgesperrt: Die Polizei kontrolliert zahlreiche Fahrzeuge. Im gesamten Rems-Murr-Kreis werden die Schüler zunächst in den Schulen gehalten. Der Unterricht wird unterbrochen. Alle Schulen werden von der Polizei überwacht.

Amokläufe und Gewalttaten an deutschen Schulen

Der Amoklauf an einer Realschule in Winnenden bei Stuttgart erinnert an ähnliche blutige Gewalttaten an deutschen Schulen:

20. November 2006: Mit Gewehren, Sprengfallen und Rauchbomben überfällt ein 18-Jähriger im westfälischen Emsdetten seine frühere Schule, verletzt 37 Menschen und erschießt sich danach.

2. Juli 2003: Ein 16-jähriger Realschüler schießt im fränkischen Coburg während des Unterrichts auf seine Klassenlehrerin und verletzt anschließend eine Schulpsychologin. Danach tötet sich der Jugendliche. Die 41 Jahre alte Lehrerin bleibt unverletzt.

26. April 2002: In einem Gymnasium in Erfurt (Thüringen) richtet ein Ex-Schüler ein beispielloses Blutbad an. Schwarz vermummt und schwer bewaffnet zieht der 19-Jährige durch das Gebäude und erschießt 16 Menschen - acht Lehrerinnen, vier Lehrer, eine Schülerin, einen Schüler, die Sekretärin und einen Polizisten. Dann tötet er sich selbst.

19. Februar 2002: Ein mit zwei Pistolen, drei Rohrbomben und einer Handgranate bewaffneter 22-Jähriger tötet bei einem in Eching bei München begonnenen und in Freising fortgesetzten Amoklauf drei Menschen, darunter den Rektor seiner früheren Wirtschaftsschule.

16. März 2000: Weil er am Vortag von seinem Realschulinternat in Brannenburg (Bayern) verwiesen wurde, schießt ein Schüler (16) den Leiter der Anstalt in den Kopf und fügt sich dann selbst schwere Verletzungen zu. Der 57-jährige Opfer der Straftat stirbt sechs Tage später.

9. November 1999: In Meißen (Sachsen) stürmt ein 15 Jahre alter Gymnasiast maskiert in ein Klassenzimmer und ersticht seine Lehrerin. Er hatte die Tat angekündigt und wird kurz darauf gefasst.

3. Juni 1983: Ein Exil-Tschechoslowake (34) erschießt in einer Schule in Eppstein-Vockenhausen (Hessen) fünf Menschen: zwei zwölfjährige Schülerinnen, einen elfjährigen Schüler, einen Lehrer und einen Polizisten. Danach erschießt der Täter sich selbst. Ein Lehrer überlebt schwer verletzt. Das Motiv des als aggressiv geltenden Amokschützen bleibt rätselhaft.

11. Juni 1964: Ein geisteskranker Invalide (42) tötet in der katholischen Volksschule des Kölner Vororts Volkhoven zehn Menschen. Er gibt vom Schulhof aus mit einem Flammenwerfer durch ein offenes Fenster mehrere Flammenstöße auf eine Klasse neun- bis elfjähriger Kinder ab und ersticht danach zwei Lehrerinnen mit einer Lanze. Acht der 28 schwer verletzten Kinder sterben. Der Täter vergiftet sich.

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