Ärzte Zeitung online, 26.03.2009

Berliner John-Lennon-Schule bleibt bei frühem Schulbeginn

Berlin (dpa). Schüler, Eltern und Lehrer sind sich mit klaren Mehrheiten einig: Im John-Lennon-Gymnasium in Berlin-Mitte bleibt es endgültig beim Start in den Schulalltag um 8.00 Uhr.

Nach dem "Nein" der Schüler gegen einen späteren Beginn um 9.00 Uhr stimmte auch die Schulkonferenz am Mittwochabend mit deutlicher Mehrheit für die bisherige Praxis für Frühaufsteher. Schulleiter Jochen Pfeifer sagte am Donnerstag gegenüber dpa, in dem entscheidenden Gremium habe es bei einer Enthaltung und einer Nein-Stimme 11 Stimmen für 8.00 Uhr gegeben. Unter den Schülern lautete die Mehrheit 397 zu 264 Stimmen. Laut Direktor Pfeifer waren die Eltern und Lehrer in der Schulkonferenz "sehr überrascht" vom Schülervotum.

Der Schulleiter nannte die seit Wochen an der Schule und auch in der Öffentlichkeit anhaltende Debatte um das frühe oder etwas spätere Aufstehen der Schüler ein "gutes Beispiel für praktizierte Demokratie an den Schulen". Eine solch breite Meinungsfindung zu einem Thema, das alle angeht, habe es an seiner Schule in dieser Form noch nie gegeben.

In einer intensiven Debatte der Schulkonferenz hätten die Vertreter der Eltern und Lehrer der Initiative aus der Schülerschaft zu einem späteren Start "großen Respekt gezollt". Aus seiner Sicht habe es zunächst im Lehrerkollegium sogar eine Tendenz zu einem späteren Beginn gegeben. Die Schulkonferenz habe sich jedoch am Ende guten Gewissens der Mehrheitsmeinung der Schüler anschließen können. Hätten sich die Schüler jedoch anders entschieden, "wäre das Ding mit einem Beginn um 9.00 Uhr in der Schulkonferenz durchgegangen", sagte Pfeifer.

Internet: www.jlgym-berlin.de

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Panorama (30881)
[27.03.2009, 21:00:42]
Dipl.-Psych. Wilfried Vogelbusch  praxis@vogelbusch.net
Votum gegen späteren Schulbeginn - Bürokratischer Oportunismus oder Demokratie?
Man redet von praktizierter Demokratie, wenn man Schüler gegen eine Maßnahme stimmen läßt, die sowohl gesundheitlich als auch zur Verbesserung von Pisa-Studienergebnissen nach derzeitigen Erkenntnissen der Schlafforschung sinnvoll wäre. Das zusätzliche Votum der Schulkonferenz - 11 Stimmen für den Status quo gegenüber einer Gegenstimme - läßt ahnen, welche sonstigen zeitlichen Restriktionen den Schülern im Falle einer Änderung des Unterrichtszeitrahmens angedroht worden sein mögen. Übrig bleibt ein "demokratisches" Votum im Dienste bürokratischer Stagnation bzw. hierzu eine Instrumentalisierung von Schülern. zum Beitrag »

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