Ärzte Zeitung online, 26.03.2009

Polizei zweifelt am "Phantom" und überprüft DNA-Wattestäbchen

STUTTGART (dpa). Die Polizei in Baden-Württemberg will wegen der Zweifel an der Existenz des "Phantoms von Heilbronn" nun alle Wattestäbchen für die Spurensicherung in ihren Lagern überprüfen. Denn verunreinigte Wattestäbchen könnten die Ursache für die vielen DNA-Treffer an Dutzenden Tatorten sein, die der angeblichen Serienverbrecherin und Heilbronner Polizistenmörderin zugeschrieben wurden.

"Es sind allein einige tausend bei uns in Baden-Württemberg, die auf eine mögliche Verunreinigung hin überprüft werden", sagte der Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Stuttgart, Horst Haug, am Donnerstag auf Anfrage. Mitarbeiter der Firma, von der aus die Wattestäbchen in Umlauf gebracht wurden, sollen Speichelproben abgeben.

Die bereits vorhandenen Wattestäbchen werden zur Spurensicherung nicht mehr eingesetzt. Die Polizei ermittelt auch bei allen mit dem Wattestäbchenhersteller beteiligten Firmen. "Wir versuchen, die Herstellungswege und -stationen der Wattestäbchen nachzuvollziehen. Die Komponenten stammen nicht vom ein- und demselben Hersteller", sagte Haug.

Als Reaktion auf die mögliche Verunreinigung der DNA-Analyse zum "Phantom von Heilbronn" hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) eine Art Gütesiegel angeregt, um die Möglichkeit von Falschanalysen wegen Verunreinigungen auszuschließen. "Die Hersteller sollten den Packungen DNA-Merkmale der beteiligten Mitarbeiter als Code beilegen", sagte BDK-Sprecher Bernd Carstensen den Stuttgarter Nachrichten (Donnerstagausgabe), "damit könnte diese Spur gleich ausgeschlossen werden." Auch bei der Sicherung von Fingerspuren seien in der Vergangenheit Merkmale des sachbearbeitenden Polizisten vermerkt worden, um nicht versehentlich nach eigenen Leuten zu fahnden.

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