Ärzte Zeitung online, 31.03.2009

Nacktlesung und Spaghetti-Ernte - Aprilscherze in den Medien

HAMBURG (dpa). Nicht nur Freunde und Kollegen schicken sich in den April. Auch Zeitungen, Radiosender und Fernsehstationen flunkern ihren Lesern, Hörern und Zuschauern dann gern etwas vor. Zum Beispiel mit einem BBC-Bericht über die Spaghetti-Ernte in der Schweiz. Der Originalbeitrag ist in einem lustigen Video verewigt.

Als erster gezielt in Umlauf gebrachter Aprilscherz eines Mediums gelten die 1957 von der britischen BBC im Fernsehen gezeigten Bilder der Spaghetti-Ernte in der Schweiz. Die ehrwürdige Anstalt verwies auf den milden Winter, der die Ernte begünstigt habe - mit Erfolg, viele Zuschauer glaubten der für ihre Zuverlässigkeit bekannten BBC.

Ein britischer Radiosender lockte im Jahr 2001 mehrere hundert Hörer auf eine gefährliche Steilklippe, von der man eine originalgetreue Kopie der "Titanic" vorbeifahren sehen könne. Doch in den vergangenen Jahren sind Aprilscherze subtiler, ausgeklügelter und manchmal auch anspruchsvoller geworden, beobachten Witzforscher. Das vor allem, seit sie über Medien und das Internet verbreitet würden.

Nicht nur bei Leichtgläubigen waren dabei Aprilscherze erfolgreich, die Themen aus dem Umwelt- und Klimaschutz aufgriffen und possierlich variierten. Dass Indiens heilige Kühe nicht mehr länger schwarze Schafe des Klimawandels seien, meldete etwa die österreichische Nachrichtenagentur APA vor zwei Jahren. Indische Wissenschaftler hätten ein Verfahren entwickelt, durch das die Tiere bei ihren zahlreichen Darmwinden statt Methan das wesentlich harmlosere Kohlendioxid in die Atmosphäre stoßen. Theoretisch sei die Methode auch auf den Menschen übertragbar.

Schon 1999 sollten laut der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass zehn afrikanische Krokodile im sibirischen Baikal-See ausgesetzt werden, um dort die Artenvielfalt zu sichern. Der Norddeutsche Rundfunk meldete vier Jahre später, dass der Hindenburgdamm, Verbindung zwischen Festland und der Insel Sylt, aufgrund "neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse" abgetragen werden müsse. Dagegen wirken in Zeiten digitaler Bildbearbeitung selbst Filme von fliegenden Pinguinen, wie sie die BBC im vergangenen Jahr auf ihrer Videoseite zeigte, eher unterhaltsam als glaubwürdig.

Gelegentlich werden Medien auch selbst in den April geschickt. Zu den Opfern der Spaßvögel wurde auch die Deutsche Presse-Agentur dpa. Vor Jahren meldete sie fälschlicherweise, in Athen sei bei Bauarbeiten das Grab des griechischen Philosophen Sokrates (um 470-399 vor Christus) gefunden worden. Unweit der Akropolis seien "das Skelett eines Mannes, zwei Amphoren, eine Schale mit den Resten einer giftigen Substanz, ein Schabeisen und organische Stoffe" gefunden worden.

Als glaubwürdig eingestufte Aprilscherze spielen nicht nur mit den Sorgen potenzieller Opfer. Auch Wünsche des Publikums werden dankbar aufgegriffen. So entpuppte sich im vergangenen Jahr die in Berlin für den 1. April angesetzte "erste Nacktlesung" in einer Buchhandlung als - höchst erfolgreicher - Scherz. Zur groß angekündigten Vorstellung eines Buches über FKK in der DDR meldeten sich mehr als 30 Rundfunk- und TV-Stationen sowie Verlage an, wie der fantasievolle Buchhändler später berichtete.

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