Ärzte Zeitung online, 02.04.2009

21-Jähriger aus Lübeck in Türkei an Methanolvergiftung gestorben

HAMBURG (dpa). Eine Methanolvergiftung ist die Ursache für den Tod eines 21 Jahre alten Lübecker Schülers, der am vergangenen Donnerstag in der Türkei nach einem Trinkgelage gestorben war.

Dies habe die Obduktion des Leichnams am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft Hamburg am Mittwoch mit. Der Direktor des türkischen Krankenhauses hatte zuvor erklärt, der junge Mann habe mehr als sieben Promille Alkohol im Blut gehabt und sei daran gestorben. Er schloss dabei aus, dass der 21-Jährige gepanschten Schnaps getrunken hatte.

Der junge Mann hatte nach dem Befund der UKE-Rechtsmedizin mehr als 2 Promille hochtoxisches Methanol im Blut. Bereits 0,2 Promille Methanol können tödlich sein, betonte ein Sprecher der Behörde. Der Trinkalkohol Ethanol konnte hingegen nicht nachgewiesen werden. Das UKE war in Amtshilfe für die Lübecker Staatsanwaltschaft tätig geworden.

Die Symptome einer Methanolvergiftung treten erst nach einigen Stunden auf. Bei einer frühzeitigen Diagnose hätte dem Schüler wohl noch geholfen werden können, erläuterte Professor Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am UKE. Methanol kann in selbst gebranntem Schnaps vorkommen, wenn die Substanz nicht verdampft. Sie ist extrem giftig, weil sie in der Leber zu dem Zellgift Formaldehyd und dann zu Ameisensäure oxidiert. Symptome können Kopfschmerzen und Sehstörungen sein, sagte Püschel.

Der Jugendliche gehörte zu einer Schülergruppe des Berufsbildungswerkes Lübeck, die auf Klassenfahrt im türkischen Ferienort Kemer war. Sieben von ihnen hatten trotz eines Verbots des Lehrers hochprozentigen Schnaps auf einem Markt gekauft und ihn im Hotel getrunken. Der 21-Jährige war daraufhin in seinem Hotelzimmer an der türkischen Mittelmeerküste gestorben. Zwei weitere junge Männer liegen seither im Koma. Vier junge Leute sind auf dem Weg der Besserung und sollen aus dem Krankenhaus in Antalya entlassen werden.

Die Eltern einer beteiligten Schülerin haben in der Türkei bereits Anzeige wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung erstattet. Die Anzeige richtet sich gegen eine oder mehrere unbekannte Personen.

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