Ärzte Zeitung online, 05.04.2009

Methanolvergiftung in der Türkei: Opfer 20 Stunden ohne Hilfe

HAMBURG (dpa). Der an einer Methanolvergiftung in der Türkei gestorbene Lübecker Schüler lag Medienberichten zufolge 20 Stunden in seinem Bett, bevor seine Leiche entdeckt wurde. Nun soll geklärt werden, ob der 21-Jährige bei rechtzeitiger Hilfe hätte gerettet werden können.

Der Rechtsanwalt der Eltern, die Anzeige gegen unbekannt erstattet haben, hält es daher für entscheidend, den genauen Todeszeitpunkt zu ermitteln. Der 21-Jährige gehörte zu einer Schülergruppe, die auf Klassenfahrt im türkischen Badeort Kemer gepanschten Alkohol getrunken hatte.

Der Lehrer, der die Gruppe begleitete, ist laut Ermittlern im Besitz eines Generalschlüssels für die Hotelzimmer der Schüler gewesen. "Es wird zu klären sein, ob Dritte an dem Geschehen Mitverantwortung tragen", sagte der Anwalt Frank-Eckhard Brand dem "Spiegel". Ermittelt werden soll auch, wer den Wodka hergestellt und verkauft hat.

An der türkischen Riviera floriert schon länger der Handel mit geschmuggelten oder gepanschten Spirituosen. Getränkeproduzenten sehen das Problem vor allem in den extrem hohen Alkoholsteuern. "Oft nehmen Hotels einfach den billigsten Alkohol, ohne Rücksicht auf die Bezugsquellen", sagt Galip Yorgancioglu, Chef des größten türkischen Raki-Herstellers, dem Magazin.

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