Ärzte Zeitung online, 07.04.2009

Update 16:30 Uhr: 207 Erdbebentote in Italien - Nachbeben in der Nacht

ROM (dpa). Die Zahl der Toten durch das verheerende Erdbeben in Mittelitalien ist auf 207 gestiegen. 17 der Opfer müssten noch identifiziert werden, teilte das Koordinierungszentrum der Rettungsmannschaften am Dienstag in  L'Aquila mit. Bislang wurden 150 Menschen aus den Trümmern gerettet. Inzwischen ist die Deutsche Task Force Erdbeben in das Gebiet gereist. DRK und humedica rufen zu Spenden auf.

Etwa 1500 Menschen wurden verletzt, Zehntausende sind obdachlos, weil ihre Häuser eingestürzt sind oder stark beschädigt wurden. Zahlreiche Nachbeben erschweren die Rettungs- und Bergungsarbeiten rund um L'Aquila.

Weitere Nachbeben haben in der Nacht zum Dienstag das Katastrophengebiet in Mittelitalien erschüttert. Wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtete, hatte eines die Stärke 4,8. Nach Angaben des Zivilschutzes war es nach dem Hauptbeben in den Abruzzen am Montagmorgen mit einer Stärke zwischen 5,8 und 6,2 eine der heftigsten Erschütterungen. Ein anderes Nachbeben hatte die Stärke 3,6. Über neue Schäden war zunächst nichts bekannt.

Die Rettungsarbeiten werden immer mehr ein Wettlauf der Helfer mit der Zeit. Selbst in der Nacht suchten die Retter weiter nach Überlebenden. Am frühen Dienstagmorgen um 2.02 Uhr, knapp 23 Stunden nach verheerenden Erdstoß, wurde eine 24 Jahre alte Studentin aus den Trümmern befreit, berichtete ANSA. Ihr ging es den Umständen entsprechend gut, hieß es. Mehr als 150 Menschen konnten in der besonders stark betroffene Regionalhauptstadt der Abruzzen, L'Aquila, und der Provinz gerettet werden.

Aus allen Teilen Italiens trafen unterdessen erste Hilfslieferungen ein. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi stellte 30 Millionen Euro als Soforthilfe in Aussicht. Zudem hofft Italien auf Aufbauhilfen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro aus Brüssel. Der Regierungschef rief den Notstand aus und sagte eine Reise nach Moskau ab.

Die Erdstöße in der Nacht zum Montag überraschten die Menschen um 3.32 Uhr. Ganze Wohnblocks in L'Aquila klappten wie Kartenhäuser zusammen. L'Aquila ist das Industrie- und Verwaltungszentrum der Region Abruzzen. Die Stadt hat 70 000 Einwohner.Aufruf zu Spenden für Erdbebenopfer

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Hilfsorganisation humedica haben zu Spenden für die Opfer aufgerufen. humedica hat nach eigenen Angaben vom Dienstag am Montagabend drei Katastrophenhelfer, darunter zwei Ärzte, in die Abruzzen geflogen. Das DRK hält Einsatzkräfte auf Abruf bereit.

"Die Rettungskräfte des Italienischen Roten Kreuzes arbeiten rund um die Uhr. Ihr Einsatz verdient unsere Solidarität und Unterstützung", sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters am Dienstag. Das Rote Kreuz in Italien transportiere seit Montag früh Verwundete in Krankenhäuser in den Orten Tagliacozzo, Pescina und Avezzano. 10 000 Decken und ein Konvoi mit einer Feldküche, die für 10 000 Menschen pro Tag warme Mahlzeiten bereiten kann, seien in die Region gebracht worden.

Nach DRK-Angaben stehen auch in Deutschland Helfer bereit. Suchhundeteams, mobile Gesundheitsstationen, Wasseraufbereitungsanlagen oder ein mobiles Krankenhaus könnten in die Katastrophenregion gebracht werden. Bisher habe Italien aber noch keine Hilfe angefordert. "Das Italienische Rote Kreuz ist eine sehr gute Gesellschaft", sagte Sprecher Fredrik Barkenhammar. "Auch der Zivilschutz funktioniert sehr gut. Es ist ja nicht das erste Erdbeben in Italien, die Leute haben sehr viel Erfahrung."

Deutsche Task Force Erdbeben in Italien

Nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien ist die Deutsche Task Force Erdbeben ins Krisengebiet gereist. Die drei Mitarbeiter des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) hätten unter anderem Geräte zur Messung von Nachbeben im Gepäck, teilte das GFZ in Potsdam am Dienstag mit. Die Instrumente sollen voraussichtlich zwei Monate in der Region bleiben. Alle gewonnenen Resultate sollen den Angaben zufolge in gemeinschaftliche wissenschaftliche Untersuchungen einfließen, die dann wiederum in präventive Maßnahmen umgesetzt werden.

Die GFZ-Experten wollen mit ihren Geräten die seismologischen Netzwerke zur Registrierung von Nachbeben weiter verdichten. "Hochgenaue Lokalisierungen dieser Nachbeben liefern ein detailgenaues Bild der Erdkruste im Bereich der Bruchzone des aktuellen Bebens", hieß es.

"Der Einsatz unseres Task Force Teams dient vor allem der Unterstützung der italienischen Kollegen vor Ort", erklärte der Direktor der Sektion Erdbebenrisiko und -frühwarnung am GFZ, Jochen Zschau. Daher werde die Task Force im Katastrophengebiet mit den italienischen Kollegen des INGV (Istituto Nazionale de Geofisica i Vulcanologia), der Universität von Basilicata und dem Department of Civil Protection zusammenarbeiten und gemeinsam dieses temporäre seismologische Netz installieren.

ADAC: Entwarnung für Osterverkehr nach Italien

Der ADAC hat nach dem verheerenden Erdbeben in den Abruzzen Entwarnung für den Osterverkehr nach Italien gegeben. Die Nord-Süd-Routen seien uneingeschränkt befahrbar, teilte der Automobilclub am Dienstag in München mit. Urlauber könnten das Piemont, die Lombardei, Venetien, Ligurien oder die Toskana problemlos erreichen. Auch die Autobahn A 24 Rom - L'Aquila sei streckenweise wieder befahrbar.

Gesperrt bleibe die Strecke von L'Aquila Ovest und Assergi in beide Richtungen. Die A 25 Rom - Pescara ist nach ADAC-Angaben wieder geöffnet, allerdings mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h zwischen Pratola Sulmona und Bussi-Populi. Osterurlauber, die nach Mittelitalien reisen wollten, sollten sich dringend über Unterkunftsmöglichkeiten informieren, rät der ADAC. Denn viele durch das Erdbeben obdachlos gewordene Menschen werden vorläufig in Hotels und Ferienwohnungen untergebracht.

Spendenkonten:

DRK: Konto: 41 41 41, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort: Erdbebenhilfe

humedica e.V.: Konto: 47 47, Sparkasse Kaufbeuren, BLZ 734 500 00, Stichwort: Erdbeben Italien

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