Ärzte Zeitung online, 10.04.2009

Anwalt will Klatten-Aussage vor Gericht in Italien

MÜNCHEN (dpa). Im Strafprozess gegen den mutmaßlichen italienischen Komplizen im Erpressungsfall der Münchner Milliardärin Susanne Klatten soll die Quandt-Erbin als Zeugin vorgeladen werden. Das habe Rechtsanwalt Carlo Taormina, der Verteidiger des mutmaßlichen Komplizen Ernano Barretta, angekündigt und die Veröffentlichung intimer Details angedroht, berichtete "sueddeutsche.de" am Donnerstag weiter.

Zuvor hatte eine erste Anhörung in dem Vorprozess in Pescara noch keine richterliche Entscheidung gebracht. Die Richterin habe am Donnerstag lediglich eine weitere Anhörung für den 21. Mai anberaumt, erläuterte Rechtsanwalt Taormina auf Anfrage. Er machte deutlich, dass es noch lange dauern dürfte, bis alle Fragen zu einem Prozess gegen Barretta entschieden seien.

Barretta soll den Ermittlungen zufolge mutmaßlicher Hintermann in der Erpressungs-Affäre um Klatten und den Schweizer Helg Sgarbi sein. Sieben Millionen Euro sollen die Männer von der 46-jährigen Milliardärin erpresst haben, Sgarbi wurde deshalb in München bereits zu sechs Jahren Haft verurteilt. In dem eintägigen Prozess blieb Klatten eine Aussage erspart, weil Sgarbi ein Geständnis ablegte.

Taormina sagte zu "sueddeutsche.de", Sgarbi und Klatten müssten vernommen werden und intime Details aus ihrer Beziehung vor Gericht preisgeben. "Sgarbi muss alles genau erzählen, was zwischen ihm und Klatten gelaufen ist, insbesondere was sexuelle Handlungen angeht." Taormina behauptet dem Bericht zufolge, bei der Geldübergabe habe es sich um eine "pure Belohnung" für Sgarbis Liebesdienste gehandelt.

In dem Verfahren in Pescara wird Barretta, seiner Frau, seinen Kindern und der Ehefrau Sgarbis die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Barretta war im Juni vergangenen Jahres unter dem Verdacht festgenommen worden, eine internationale Betrügerbande zu leiten.

Der Starverteidiger Taormina hat nach seinen Worten bei der Anhörung am Donnerstag unter anderem verlangt, dass Sgarbi zu dem Fall in Deutschland oder in Italien verhört werde. Außerdem müssten alle Abschriften abgehörter Telefongespräche zugänglich gemacht und alle Güter des Schweizers beschlagnahmt werden. Sgarbi hatte während seines Prozesses in Deutschland über vermeintliche Komplizen immer geschwiegen.

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