Ärzte Zeitung online, 15.04.2009

Monsanto kritisiert Anbauverbot für seinen Genmais

BERLIN (dpa). Der Agrarkonzern Monsanto hat das in Deutschland verhängte Anbauverbot für seinen Genmais MON 810 scharf kritisiert. Man könne die Entscheidung von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) "nicht nachvollziehen", teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. "MON 810 ist sicher für die menschliche Gesundheit, Tiere und die Umwelt. Das zeigt eine überwältigende Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen."

MON 810 ist seit 1998 der einzige Genmais, der in der Europäischen Union für den kommerziellen Anbau zugelassen ist. In den Mais ist ein Gen gegen den Schädling Maiszünsler - einen Schmetterling - eingebaut.

Ein zeitweiliges Aussetzen der Genehmigung durch einen EU-Mitgliedsstaat "erfordert neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die geeignet sind, die Sicherheit eines gentechnisch veränderten Produktes infrage zu stellen." Dies sei hier nicht der Fall, so das Unternehmen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte am Dienstag ein Anbau-Verbot für den gentechnisch veränderten Mais MON 810 des Konzerns Monsanto wegen möglicher Risiken für die Umwelt verhängt. In der ARD verteidigte Aigner ihre Entscheidung. Die Genveränderung schade nach neuesten Erkenntnissen nicht nur dem Schädling Maiszünsler, sondern auch anderen Tieren.

"Deshalb musste ich jetzt auch die Schutzklausel ziehen", sagte Aigner in den "Tagesthemen". Gleichzeitig betonte sie: "Es geht jetzt nicht grundsätzlich gegen Grüne Gentechnik."

"Wir sind davon überzeugt, dass die Begründungen, die zur Entscheidung von Ministerin Aigner geführt haben, nicht geeignet sind, die Sicherheit des Produktes in Zweifel zu ziehen. Sie rechtfertigen kein Anbauverbot", sagte der Leiter der Zulassungsabteilung von Monsanto Deutschland, Holger Ophoff, der Mitteilung zufolge.

In der Erklärung von Monsanto heißt es weiter, weltweit bestätigten die zuständigen Behörden - darunter die der EU, Japans, der USA oder Kanadas sowie die deutsche Zulassungsbehörde BVL - immer wieder die Sicherheit von MON 810. "Diese wird nicht zuletzt auch durch jahrelange praktische Anbauerfahrung belegt. Landwirte weltweit nutzen die Vorteile des insektenresistenten Mais seit über 10 Jahren - mit zunehmender Tendenz."

"Monsanto prüft sämtliche verfügbaren Optionen und behält sich rechtliche Schritte vor, damit Landwirten in Deutschland auch in der laufenden Anbausaison die Möglichkeit offen steht, MON 810 anzubauen" sagte die Geschäftsführerin von Monsanto Deutschland.,

Schavan will Runden Tisch zu Grüner Gentechnik

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat nach dem Genmais-Verbot einen Runden Tisch zur Grünen Gentechnik angekündigt. In den nächsten Wochen sollten Vertreter von Wissenschaft, Unternehmen und Ministerien aus Bund und Ländern über das Thema beraten, sagte Schavan der "Passauer Neuen Presse" (Mittwochsausgabe). "Wir brauchen eine verantwortungsvolle Debatte. Gerade in einer Wirtschaftskrise wie heute sollten wir uns nicht vorschnell von Zukunftstechnologien verabschieden, zu denen die Grüne Gentechnik zweifellos gehört", erklärte die Ministerin.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn forderte Aigner auf, das Verbot gerichtsfest zu machen. "Es darf nicht sein, dass es dem Konzern (Monsanto) gelingt, das Verbot in einer Verhandlung zurückzudrehen", sagte Höhn der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochsausgabe).

Gleichzeitig verlangte sie von Aigner, sich auch in der Europäischen Union (EU) gegen weitere Genehmigungen für gentechnisch veränderte Maissorten einzusetzen. "Da muss die Bundesregierung Farbe bekennen und gegen die Zulassung stimmen", forderte Höhn.

Lesen Sie dazu auch:

Aigner verbietet Genmais MON 810

Bayern stellt Freiland-Versuch mit Genmais ein

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