Ärzte Zeitung online, 16.04.2009

Brillantes Licht für die Forschung in Hamburg

HAMBURG (dpa). Hamburger Physiker haben eine weltweit einzigartige Lichtquelle für die Forschung angeschaltet. Der für 225 Millionen Euro umgebaute Teilchenbeschleuniger PETRA III soll künftig brillantes Röntgenlicht liefern, wie das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg mitteilte.

Die sogenannte Synchrotronstrahlung wird etwa der Untersuchung von Proteinen, Nanomaterialien und neuartigen Werkstücken dienen. "Mit PETRA III werden wir Wissenschafterinnen und Wissenschaftlern Synchrotronstrahlen höchster Brillanz bieten können und so neue Maßstäbe in der Forschung mit Photonen setzen", betonte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU).

Am Donnerstag wurde das erste Teilchenpaket in den Beschleuniger eingeschossen. Nach einem Test im Sommer soll der reguläre Forschungsbetrieb 2010 beginnen. Dann sollen rund um die Uhr bis zu 960 Teilchenpakete mit jeweils bis zu 10 Milliarden Positronen - den Antiteilchen der Elektronen - durch den 2,3 Kilometer langen Speicherring gejagt werden.

Durch den Umbau sei PETRA III die zurzeit leistungsfähigste Synchrotronstrahlungsquelle der Welt, betonte das DESY. Keine andere Quelle biete Synchrotronstrahlung mit derart hoher Brillanz. Die Brillanz ist umso größer, je enger gebündelt der Lichtstrahl ist. An PETRA III sei der Strahl so stark gebündelt, dass sich noch 10 bis 30 Nanometer kleine Proben untersuchen ließen.

Um bei dieser Untersuchung störende Erschütterungen möglichst weitgehend zu vermeiden, wurde eine 300 Meter lange, isoliert schwimmende Betonplatte gegossen, auf der bis zu 30 Experimente stattfinden können. Die Kosten für den gesamten Umbau wurden vom Forschungsministerium, der Stadt Hamburg und der öffentlich finanzierten Helmholtz-Gemeinschaft getragen, zu der das DESY gehört.

Ursprünglich war der Beschleuniger PETRA (Positron-Elektron-Tandem-Ring-Anlage) 1978 für die Teilchenphysik gebaut worden. Unter anderem wurde an ihm 1979 der Klebstoff des Atomkerns entdeckt, ein Elementarteilchen namens Gluon. Es vermittelt die sogenannte starke Kraft, welche die Grundbausteine aller Materie, die Quarks, aneinanderbindet und zu den vier fundamentalen Naturkräften gehört. Bei dem zwei Jahre dauernden Umbau seien nun unter anderem alle Magnete, die die Teilchen auf ihrer Bahn halten, mit neuen Spulen versehen worden.

Nach Angaben des Forschungszentrums wird der Beschleuniger nun auf die Produktion des Synchrotronlichts vorbereitet: Die sogenannten Undulatoren - Spezialmagnete, die das Synchrotronlicht erzeugen - würden so dicht an den Teilchenstrahl herangefahren, dass die Positronen auf Schlingerbahnen gelenkt werden und so das begehrte Licht abstrahlen.

Dieses sei vor allem für die Nanowissenschaften bedeutend. Kleinste Proben könnten so untersucht und Bilder mit bisher nicht erreichter Auflösung über die Anordnung der Atome gewonnen werden. Aber auch Molekularbiologen könnten nun die Struktur von Proteinen besser bestimmen. Ebenfalls viele Möglichkeiten eröffne der Speicherring für die Chemie, die Umweltforschung und die Materialwissenschaften.

Topics
Schlagworte
Panorama (31193)
Personen
Annette Schavan (250)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel

Es genügt ein Handy mit Vibrationsfunktion: An den Fuß eines Diabetespatienten gehalten, zeigt es Forschern zuverlässig an, ob dieser an einer peripheren Neuropathie leidet. mehr »

Pflegerat fordert 50.000 Stellen für die Krankenhäuser

Was hat die Pflegepolitik bewirkt? Die Meinungen sind gespalten: Gesundheitsminister Gröhe lobt die Erfolge der Koalition in der Pflegepolitik. Der Pflegerat hält dagegen. mehr »

Die Therapiekünste eines Kung-Fu-Meisters

Ein Kampfsportler stößt mit seinem Gesundheitskonzept bei Medizinern auf Interesse. Ein Arzt ist sogar geneigt, von einem Wunder nach der Therapie durch Chu Tan Cuong zu sprechen. mehr »