Ärzte Zeitung online, 20.04.2009

USA weiten DNA-Speicherung massiv aus

WASHINGTON (dpa). Die amerikanischen Polizeibehörden weiten nach einem Bericht der "New York Times" die Speicherung von DNA-Daten massiv aus. Wie die Zeitung am Sonntag schreibt, werden nun die DNA- Profile - und damit der genetische Fingerabdruck - von Millionen Menschen gespeichert, die festgenommen, aber nicht verurteilt wurden, darunter auch die von illegalen Einwanderern.

Bisher erfassten die Bundesbehörden nur DNA-Proben von Verurteilten. Mit dem Schritt sollen mehr Verbrechen aufgeklärt werden. Dagegen melden Datenschützer erhebliche Bedenken an. Die Sorge nehme zu, dass die USA zu einer "genetischen Überwachungsgesellschaft" werden könnten.

Die Bundespolizei FBI, die gegenwärtig über DNA-Daten von rund 6,7 Millionen Menschen verfügt, erwartet einen rasanten Zuwachs der Zahl von DNA-Profilen. Zur Zeit werden pro Jahr 80 000 neue Proben registriert. Bis zum Jahr 2012 soll die Zahl auf rund 1,2 Millionen jährlich steigen.

Beamte der Strafverfolgungsbehörden betonen, dass durch eine Ausweitung der DNA-Datenbanken mehr Gewaltverbrechen aufgeklärt werden können. DNA-Proben hätten dabei geholfen, tausende von Kriminellen zu überführen und mehr als 200 unschuldig Verurteilte zu entlasten.

Scharfer Protest kommt von einem Anwalt der Bürgerrechtsbewegung ACLU, der ein solches Vorgehen bei geringfügigen Vergehen - wie das Ausstellen ungedeckter Schecks oder Ladendiebstahl - für verfassungswidrig hält. "DNA-Daten wurden eingeführt, um gewalttätige Sexualstraftaten und Morde aufzuklären - eine sehr begrenzte Zahl von Verbrechen", meint Professor Harry Levine von der Universität in New York. "Nach und nach wurden dann immer mehr weniger schwere Verbrechen hinzugefügt. Polizei und Staatsanwaltschaft mögen dies, weil sie damit über mehr Informationen sowie über einen neuen Pool von Verdächtigen verfügen."

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