Ärzte Zeitung, 07.05.2009

Von Hypochondern und Superärzten

Der US-Fernseharzt Dr. House im Reality-Check - das hat sich das "House-Buch" vorgenommen.

Von Denis Nößler

Nicht nur für Hypochonder interessant: "Das House-Buch".

Foto: vgs

"Am Ende triumphiert er immer, auch wenn auf dem Weg dorthin gelegentlich mal ein Patient auf der Strecke bleibt." So beschreiben die Brüder Niklas und Felix Schaab den US-Fernseharzt Dr. House. In ihrem "House-Buch für Hypochonder" gelangen die beiden Jungautoren gleich zu Beginn zu der Ansicht: "Ein solcher Arzt verlangt Respekt und Anerkennung, Bewunderung, sogar Anbetung." Doch trotz des Lobes lassen sie keinen Verdacht der Voreingenommenheit aufkommen. Nüchtern zeichnen sie das Bild eines zynischen Misanthropen, der rein gar nichts von kleinen Wehwehchen und gewöhnlichen Patienten hält. Auch Kollegen und Lehrbücher findet House eher lästig, dafür vollbringt er aber immer wieder kleine Wunder. Fit hält sich der Superarzt mit Drogen - bloß nicht mit "so langweiligen Sachen wie Heroin oder Koks". Kurz: "House ist nicht nett, dafür aber ein Star unter den Ärzten." Neben Hass ernte er denn auch Bewunderung und Liebe.

Diesen Zwiespalt halten die Autoren das gesamte Buch über aufrecht. Zwar outen sie sich als Fans, doch haben sie es auf die Fehler von House und seinem Team abgesehen. Mit dem Anspruch einer "Chefvisite bei Dr. House" nehmen sie 13 Folgen minutiös unter die Lupe.

Felix Schaab, der jüngere der Beiden, hat gerade sein Medizinstudium abgeschlossen und übernimmt die Rolle des Experten. Und er räumt ein, dass er über viele Therapien intensiv recherchieren musste. Positiv überrascht habe ihn, "dass viele superseltene Phänomene vorgestellt wurden, die es tatsächlich gibt und die in vielen Fällen auch weitgehend korrekt beschrieben werden." Aber es gibt eben auch die "zum Himmel schreienden Fehler und Unstimmigkeiten".

Ein Star unter den Ärzten, der keine Wehwehchen mag

Die Diagnose einer "Zellentzündung mit Tachykardie", kontern sie: "Das ist in etwa so, als würde jemand bei einem Auto, aus dessen Motorhaube Flammen schlagen, diagnostizieren: brennendes, vermutlich defektes Auto." Auch die Diagnose Leberversagen aufgrund erhöhter Leberwerte ist für sie Humbug: "Eine kaputte Leber produziert keine erhöhten Werte, sie produziert gar keine Werte mehr!"

Auch Ulla Schmidt bleibt in dem Buch nicht verschont.

Nebenbei wagen die Autoren hin und wieder einen Seitenhieb auf die heimische Situation. So resümieren sie, dass es den karrierebewussten Arzt zwar in der Serie gebe, er hierzulande aber "dank der vielen bunten Gesundheitsreformen" längst am Aussterben sei: "Wer im Gesundheitswesen reich werden will, der arbeitet besser bei den Pharmakonzernen oder den Krankenkassen." Selbst die Bundesgesundheitsministerin bleibt nicht verschont. Ein Akkuschrauber aus dem Baumarkt, auf den das House-Team für eine Hirn-Op zurückgreift, inspiriert den Erzähler zu der Sentenz: "Zu Ehren einer von Ärzten geliebten und stets kosteneffektiv denkenden Gesundheitsministerin taufe ich ihn hiermit auf den Namen Schmidt-Bohrer!"

Den Fehlern von Dr. House mit viel Witz auf der Spur

Alles in allem ist das "House-Buch" eine kurzweilige Lektüre mit Unterhaltungsfaktor. Nicht nur Hypochonder dürfen sich angesprochen fühlen, auch der ein oder andere Arzt wird seine Freude damit haben. Niklas und Felix Schaab besprechen eine Arztserie, ohne sie wirklich madig zu machen. Mit erhobenem Zeigefinger aber auch einer gehörigen Portion Witz zeigen sie auf Fehler der Autoren. Ihre oft flapsige Art trifft letztlich den Ton der Serie. Und so könnten sie am Ende noch den einen oder anderen Leser zu einem Fan der Serie machen.

Niklas und Felix Schaab: Das House-Buch für Hypochonder. Köln 2009. 9,95 Euro. ISBN: 978-3-8025-3671-7

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