Ärzte Zeitung online, 07.05.2009

Flasche leer: Ketchup bleibt nicht mehr kleben

MÜNCHEN (dpa). Schluss mit unerreichbaren Ketchup-Resten in der Flasche: Forscher der Technischen Universität München (TU) haben eine leicht zu entleerende Verpackung entwickelt. Das neue Gefäß hat sehr glatte und Wasser abweisende Wände, so dass die Tomatenwürze oder andere zähflüssige Produkte nicht an den Wänden kleben bleiben.

"Wir haben es tatsächlich geschafft, Schichten zu entwickeln, die eine annähernd vollständige Entleerbarkeit von Flaschen ermöglichen", wie Dipl.-Ing. Florian Loibl vom Lehrstuhl für Lebensmittel-Verpackungstechnik an der TU München erläuterte.

Der Forscher hat mit seinem Team Schichten entwickelt, die spezielle Anti-Haft-Eigenschaften haben. Die 20 Nanometer (ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter) dünne Schicht werde in einem speziellen Prozess aufgebracht, die Oberflächeneigenschaften können je nach Flüssigkeit verändert werden. "Es funktioniert nicht jede Schicht für jedes Produkt." Bis zu 30 Prozent des Inhalts bleiben in den Flaschen kleben und wandern in den Müll. "Senf und Mayonnaise waren das Extremste, was wir gefunden haben", sagte Loibl.

Mit den neuen Schichten bleiben Lebensmittel wie Ketchup und Mayonnaise, aber auch Reinigungsmittel, Kosmetika oder Industriechemikalien und Pflanzenschutzmittel nicht mehr kleben. Im Versuch war eine Ketchup-Flasche bis auf vier Prozent des Inhalts geleert worden. "Wir sparen Geld für den Konsumenten und schonen die Umwelt", sagte Loibl. Denn die Rückstände an den Verpackungen mindern deren Wert als Recyclingstoff, weil sie für eine Wiederverwertung entfernt werden müssen. Zudem könnten in Deutschland nach Schätzungen jedes Jahr bis zu 900 Millionen Euro eingespart werden, wenn Produkte nicht als Rückstand in Verpackungen blieben.

Vorerst allerdings müssen Verbraucher die Ketchup-Flaschen weiter Schütteln oder auf den Kopf stellen, um möglichst viel von der roten Würze herauszuholen. Ein Termin für eine Markteinführung des neuen Behältnisses ist noch offen. "Es wird noch einige Zeit dauern, bis es im Supermarkt zu finden ist." Die Lebensmittelindustrie hatte das Projekt angestoßen, das Bundesforschungsministerium förderte die Arbeit der Wissenschaftler.

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