Ärzte Zeitung online, 27.05.2009

Strahlenbelastung durch Handys steigt, liegt aber unter Grenzwert

BERN (eb). Schweizer Forscher haben gemessen, welcher hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung die Bevölkerung ausgesetzt ist. Ein Ergebnis: Der Hauptteil dieser Strahlung ist selbst verursacht und geht von Mobil- und Schnurlostelefonen aus. Die durchschnittliche Stärke der Strahlung ist zwar um ein Vielfaches gestiegen, liegt aber immer noch deutlich unter den Grenzwerten.

Foto: Fotofee ©www.fotolia.de

Handys, Schnurlostelefone und Drahtlosnetzwerke sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Gleichzeitig kursieren in der Bevölkerung diffuse Ängste vor gesundheitlichen Schäden, die möglicherweise durch solche Strahlung entstehen, auch wenn bisher keine Schäden wissenschaftlich nachgewiesen worden sind.

Forscher der Universitäten Basel und Bern haben in einer aktuellen Studie gemessen, wie stark diese Strahlungsquellen alltäglich auf uns einwirken. Mithilfe von neuartigen, tragbaren Messgeräten und Tagebuchdaten bestimmten die Wissenschaftler die Strahlenexposition bei 166 Studienteilnehmern aus der Region Basel (Environmental Research online vorab, Mai 2009).

Demnach hat die zunehmende Verbreitung von Mobiltelefonie, Wireless LAN und anderen Funkanwendungen in den letzten 20 Jahren zu einem ungefähr zehnfachen Anstieg der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung in der Umwelt geführt. Trotzdem liegt die durchschnittliche Stärke der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung mit 0,22 Volt pro Meter immer noch deutlich unter den in der Schweiz geltenden Grenzwerten. Die Strahlen stammen dabei vor allem von Mobiltelefonen, Mobilfunkbasisstationen und Schnurlostelefonen. Andere Quellen wie Radio-, Fernsehstationen und Wireless LAN spielen meist eine untergeordnete Rolle.

Wer seine persönliche Strahlenbelastung reduzieren möchte, erreicht dies mit einfachen Maßnahmen. "Ein großer Teil der auf uns einwirkenden Strahlung ist selbst verursacht", sagt Röösli. Wer zu Hause auf den Besitz eines Schnurlostelefons verzichte und das Telefonieren mit dem Mobiltelefon auf ein Minimum beschränke, sei deutlich weniger Strahlen ausgesetzt.

Bisher gibt es weltweit nur wenige Studien, die die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen der alltäglichen Einwirkung der elektromagnetischen Strahlen erforschen. Die Messkampagne der Schweizer bildet nun eine solide Grundlage, um den Einfluss der Strahlung auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität und den Schlaf zu untersuchen. Resultate dazu sind Ende dieses Jahres zu erwarten.

Zum Abstract der Originalpublikation "Temporal and spatial variability of personal exposure to radio frequency electromagnetic fields"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »